3 Jähriger findet Mutter blöd ...

Hallo Ihr,

hmm wie fange ich an ... ich war, nach dem ich schon drei Nächte so gut wie gar nicht geschlafen habe und heute super übel gelaunt war und den ganzen Tag eher rumgenörgelt habe, einfach super schlecht drauf (keine Entschuldigung). Also habe mich selbst beobachtet wie ich echt eine üble Kommunikation mit meinem Kind hatte (die große moralische Mutter und mein Kind sollte nach meiner Pfeife tanzen - Oh wei, tut richtig weh wenn ich das lese). Das war so die Ausgangssituation. Heute Abend dann waren wir alle drei zusammen zu Hause und mein Mann hat gekocht für sich und der Kleine wollte dass er mit ihm spielt. Als wir dann sagten das Papa gleich kommt, weil er fertig kochen muss ... schaute mich mein Kleiner an und sagte: " Mama kann doch weiter kochen, Mama ist eh blöd und Papa lieb ... ich will nur mit Papa spielen, Mama ist blöd".
Mein Mann hat dann mit den Kleinen gesprochen, wollte das er sich für so ein respektloses Verhalten entschuldigen soll bei mir. Was er aber ohne den Papa nicht machen wollte. Im Kulturkreis meines Mannes hat die Mutter einen extrem hohen Stellenwert und so was ist ein absolutes Tabu. Ich war von zwei Dingen hin und her bewegt:
1. Ich war mir nicht sicher ob der Kleine weiß was respektloses Verhalten gegenüber der Mama bedeutet. Im Grunde hat er nur seinen Wunsch und sein Befinden ausgedrückt(zwar wertend, aber von wem hat er das). Und der Papa spielt viel zugewandter mit ihm. Das er solche Worte benutzt wie "blöd" und "lieb" war uns ganz neu. usw.
2. Ich fand dass ich heute nicht im Sinne vom MKW durch den Tag gegangen bin. Bzw. wenn ich an das Buch "Von der Erziehung zur Einfühlung" denke, dann lief ich und agierte in meinen Augen wie ein Betonklotz. Irgendwie tut mir das leid das ich so sehr mit mir beschäftigt war und so wenig auf mein Kind zu gehen konnte. Bzw. es hat mich persönlich verletzt das mein Kind mich blöd findet ... und er ist ja erst 3 Jahre. Auf der anderen Seite sagte er einfach offen was er wohl meinte (falls er weiß was es bedeutet- blöd und lieb).

Kennt ihr so was? Wie geht ihr mit diesen Situationen um? Welcher Erfahrungen habt ihr da gemacht? Kennt Ihr auch solche Gefühle bei euch?

Herzliche Grüße
Yemaya

freude

lieber lienhard,
seit 10 jahren begleitet mich mkw in vielerlei hinsicht und hat mein leben immer wieder außerordentlich bereichert...mir mut gemacht, mich inspiriert, durchhalten lassen, visionen genährt und die welt neu denken gelehrt.
dein kommentar zu "mama ist blöd" hat all diese erfahrungen nochmal belebt. vielen dank für die wertschätzung, die achtsamkeit, bodenständigkeit und die liebe zum menschen,die aus deinen zeilen spricht....nicht zu vergessen ! dein humor...hat mich sehr berührt und (um mit robert betz zu sprechen :)) ) mein herz zum singen gebracht...

herzliche grüße

doris

Auch Papas können blöd sein - und noch mehr. . .

Hallo Yemaya,

vielen Dank für Deinen Beitrag! Mit Deinem Gefühl stehst Du ganz sicher nicht allein. In einem Seminar sagte eine Mutter in der Anfangsrunde: "Ich bin hier, weil bis ich Mutter wurde, konnte ich in der schönen Illusion leben, ein netter Mensch zu sein."
Insofern möchte ich Deinen Beitrag als Anlass für ein paar Worte und eine kleine Anekdote aus meinem Leben als Vater nehmen. Mein Sohn war etwa 5 oder 6 Jahre alt, als er eines Morgens mit einer Bitte zu mir kam, während ich gerade in Eile war, um aus dem Haus zu kommen. Unter Zeitdruck sind wir selten in der Lage einfühlsam mit unseren Kindern und uns selbst umzugehen und so sagte ich nur etwas unwirsch: "Tut mir leid, aber ich muss jetzt weg." Das "Tut mir leid" war natürlich nur eine Floskel - in Wirklichkeit wollte ich einfach nur los und die Frage war mir lästig. So ging ich zur Tür und erstarrte auf der Schwelle als ich meinen Sohn sagen hörte: "Jetzt bist Du wieder so ein Arsch!"
Wie Du Dir vielleicht vorstellen kannst, stieg zunächst eine Flut von Gedanken in mir auf, die ich unter dem Label "Selbstgerechtigkeit" einordnen kann. "Soweit kommt es noch, ich gehe ständig auf ihn ein, da muss er auch mal hinnehmen, wenn es nicht nach seinem Kopf geht . . ."
Als ich mich wieder beruhigt hatte, musste ich eingestehen - eigentlich hat er recht. Er kennt einen anderen Vater und mit dem, der ihm an diesem Morgen gegenüber stand, wollte er nichts zu tun haben - und ich war genau das, als was er mich bezeichnet hat. Nicht sehr schmeichelhaft, aber wahr. So konnte ich mich wirklich bei ihm für meine schroffe Abfuhr entschuldigen und unsere Beziehung war wieder hergestellt. So lernte er, dass ein Vater auch manchmal schlechte Laune hat und ich lernte, derartige Kommentare als Weckruf zu sehen, wobei er mit der Zeit eher nachfragte, ob ich schlechte Laune hätte, statt mir einen solch netten Titel zu verpassen.
Manchmal sind Mama oder Papa auch blöd oder ein Betonklotz! So ist es doch und im Sinne von MKW mit den Kindern zu leben, heisst nicht, ständig in Begeisterung auszubrechen, wenn wir unsere Kinder sehen. Manchmal sind wir eben nicht ausgeschlafen und schlecht drauf und dann ist das so. Und wenn wir uns dessen bewusst sind und nicht von uns erwarten, dass wir ständig lächelnd herum laufen, dann können wir auch Wege finden, für uns selbst zu sorgen, so dass wir wieder ins Lot kommen. Uns geht es um Menschlichkeit, nicht um Perfektion und dazu gehört auch das Chaos, die ganze Bandbreite von Emotionen, die das Leben mit Kindern mit sich bringt, wenn wir sie nicht nach unseren Vorstellungen dressieren wollen. Und die Einsicht, dass nicht die Kinder verantwortlich sind für unserer schlechten Laune
Wenn ich merke, dass ich blöd bin, kann ich mir mit Mitgefühl begegnen und schauen, was ich brauche, statt mich dafür zu verurteilen, dass ich meinen Ansprüchen nicht genüge. Einfühlung in uns selbst und Freundlichkeit und Wohlwollen mit uns selbst sind ebenso wichtig, wie Einfühlung, Wohlwollen und Freundlichkeit mit unseren Kindern.
Wenn Du also eine Möglichkeit findest, Dich auszuruhen und zu schlafen, während Eurer Kind glücklich mit seinem Papa spielt, ist doch schon sehr viel gewonnen. Und kaum hat sie mal wieder geschlafen, wird aus der blöden Mama vermutlich wieder eine liebe Mama. . .
So, ich hoffe, das hilft Dir ein wenig weiter,

herzliche Grüße,

Lienhard Valentin

Lieber Lienhard vielen

Lieber Lienhard

vielen herzlichen Dank für deine Rückmeldung Lienhard. Bin
nun leider erst jetzt dazu gekommen zu antworten. Deine
Geschichte macht mir Mut und ich denke auch das der Knack-
punkt immer wieder ist, Ruheinseln zu finden und Menschen
um mich die mir verhelfen können diese zu finden.
Ich kann viel lernen durch meinen Sohn und hoffe die Wünsche
mir das ich mit viel Achtsamkeit und Liebe den Herausforder-
ungen begegnen kann.

Herzliche Grüße
Yemaya

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Es gibt nichts Jutes außer man tut es ....
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