Hallo,

ich bin Mama einer 16 Monate alten Tochter. Sie ist eine kleine Daumenlutscherin und bis jetzt habe mir darüber nie so Gedanken gemacht. Ich denke, das wird irgendwann wieder weggehen, wenn sie es nicht mehr braucht. Nur ist es seit einigen Wochen so, dass sie immer wenn sie am Daumen lutscht, mit der anderen Hand in ihren Haaren wühlt. Oftmals fordert sie auch (vor allem beim Eischlafen) in meinen Haaren zu wühlen. Dies macht sie bei allen möglichen Gelegenheiten, d.h. wenn sie Stress hat, beim Einschlafen etc...

Ich bin immer für sie da, wenn sie micht braucht und seitdem ich es bemerkt habe, habe ich meine Zeit für sie noch gesteigert. Sie lutscht und wühlt aber auch, wenn ich grad meine ganze Aufmerksamkeit auf sie gerichtet habe. Ich mache mir ziemliche Gedanken und frage mich, was ich falsch mache, da ich meine, dass sie irgendwas mit dem Daumenlutschen und Haareraufen kompensiert. Ich habe auch Angst, dass dieses Haarespielen nur eine Vorstufe vom Haare ausreißen ist.

Ich hatte sie früher viel im Tragetuch (und auch heute noch sporadisch), ich stille sie noch nachts und Familienbett haben wir auch. Sie bekommt all die Liebe, die sie braucht und gerade deshalb bin ich manchmal verzweifelt, weil ich nicht weiß, warum sie trotzdem dieses Verhalten zeigt.
Sie hat zur Zeit auch starke Probleme beim Einschlafen, es geht nur, wenn ich mich dazu lege und dann dauert es ca. 1 Stunde bis sie zur Ruhe gekommen ist. In dieser Zeit versucht sie zwanghaft an meine Haare zu kommen und mit diesen zu spielen. Ich weiß nicht, ob ich dies zulassen soll.

Ich wäre wirklich sehr dankbar, wenn irgendjemand einen Rat für mich hat. Vielleicht kennt ja jemand diese Problem.

Viele liebe Grüße
Marla

Kommentare

noch ein daumenlutscher

hallo marla!

mein sohn ist 13 monate und macht genau das gleiche. er lutscht am daumen, wenn er müde ist, zum einschlafen oder wenn er sich beruhigen muss, weil er hingeplumpst ist o.ä. und er knietscht zum einschlafen in meinen haaren umher. und: er schläft auch im familienbett und kriegt noch die brust.

ich mache mir bei beidem keine sorgen.
das daumenlutschen nehme ich in kauf, weil ich ihm keinen nuckel angeboten habe. ich find es eigentlich auch selbstbestimmter für ein kleines kind, sich den daumen zur beruhigung zu schnappen und nicht die erwachsenen irgendwie auf den nuckel aufmerksam machen zu müssen. er kann sich selbst beruhigen, wann er es braucht. und "süchtig" macht doch beides! ich hoffe darauf, dass er zu seiner zeit ein ersatzobjekt findet oder das nuckeln einfach so nicht mehr braucht, und wenn nicht: es gibt doch wirklich schlimmeres. ich spüre ganz stark den druck von außen, das daumenlutschen zu unterbinden. ich habe manchmal das gefühl, es ist manchen leuten zu obszön, schließlich ist es eine befriedigung. ich werde ihm bestimmt nicht den daumen "rausziehen" oder vorträge darüber halten, "wie das denn ankäme" (noch versteht er es ja nicht einmal). bestimmt begegnet dir auch das argument, dein kind könne schiefe zähne bekommen. da sag ich mir, eine intakte beziehung ist mir zu wichtig, als dass ich mich von solchen äußerlichkeiten beeinflussen lassen werde, wenn sie denn überhaupt stimmen. (es gibt doch auch zahnspangen)
das "haareknietschen" lese ich als körperkontaktaufnahme. es fühlt sich so an, als wolle er mir damit ganz nah sein. ich stelle mir das als übergang zum stofftier vor (bei mir). ich selbst mag körperkontakt absolut gern und habe deshalb auch kein problem damit, dass er zum einschlafen in meinen kurzen (wahrscheinlich praktischer als mit langen) haaren wuschelt .an seinen eigenen haaren zupft er so selten, dass ich mir da keine gedanken drum mache.

wenn ich mich von meinen ängsten leiten lasse, kommt mir auch manchmal in den sinn, sein verhalten wäre kompensatorisch. aber das soll nicht mein weg sein. ich habe eine bewusste, liebevolle beziehung zu meinem sohn. ich denke, dass ich gefühlsmäßig nah an ihm dran bin, mich auf seine welt einlassen kann. zusammen gehen wir einen schritt nach dem nächsten. ich werde mich irgendwann entschließen, dass er allein einschlafen "soll", zum einschlafen nicht mehr an mir dran klebt und sich an meinen haaren festhält. ich werde bald sagen: "ich möchte dich nachts nicht mehr stillen, ich brauche die nacht wieder für mich." und er wird sich beschweren und seine zeit brauchen sich an "mein bedürfnis" zu gewöhnen. vielleicht muss er einen abschiedsschmerz auch durchlaufen. das wichtige aber ist: ich begleite ihn dabei. Und ich habe vertrauen zu ihm, dass er das schafft und es wird ihn wachsen lassen...

ich würde mich freuen, wenn sich noch andere gedanken zu diesen unterschiedlichen herangehensweisen (deinen und meinen) machen. möglicherweise ist es ja ein verbreitetes phänomen und tatsächlich eine kompensation...

vielleicht hast du lust mir mitzuteilen, was dir mein statement bringt (oder auch nicht)

liebe grüße

paul_a

Hallo paul_a, auch ich lasse

Hallo paul_a,

auch ich lasse mich nicht von meinen Ängsten leiten und vertraue in meine Tochter, dass sich irgendwann ihre Bedürfnisse erfüllt haben.
Nur schleicht in seltenen Momenten mal die Angst hoch, dass sie eben doch irgendetwas mit ihrem Verhalten (in Bezug auf das zusätzliche eigene Haarewühlen) kompensiert und ich mich frage was es sein könnte, gerade weil wir eine sehr liebevolle und achtsame Beziehung haben. Diese leise kurze Angst bestimmt aber nicht unser Leben.

Die Außenwirkung ist mir völlig egal und ich würde nie auf den Gedanken kommen, ihr das Daumennuckeln oder Haarewühlen abzugewöhnen. Jedes Bedürfnis wird sich irgendwann wieder geben, wenn es gestillt ist. Ich finde es sehr schade, wenn Kinder ihre Bedürfnisse nicht komplett ausleben dürfen, nur weil die Eltern sich um andere Menschen Gedanken machen.

Dein Statement hat mir Mut gemacht und lässt mich weiterhin positiv nach vorn blicken. Es hilft auch zu wissen, dass andere eine ähnliche Situation haben.

Vielen Dank und liebe Grüße
Marla

sry...

liebe marla,
ich will mich nur kurz für meine ausführungsweise entschuldigen.
ich hab beim schreiben zu sehr von mir aus geschaut, deshalb der satz: "wenn ich mich zu sehr von meinen ängsten leiten lasse...". keinesfalls wollte ich dir unterstellen, du würdest dich zu sehr von deinen ängesten beherrschen lassen.
du machst dein ding bestimmt gut und es wird sich bald eine lösung des "problems" zeigen.
ich hatte ja schon vor einiger zeit mein "problem", dass mein kind seinen daumen beim nuckeln durch die herausschießenden zähne verletzt und sich bei jedem mal tiefer in die wund bohrt, ins forum gestellt (hat leider niemand reagiert). das hat sich auch von ganz allein wieder eingetrudelt. er ist jetzt irgendwie sicherer mit seinen neuen zähnen, hat sich den perfekten winkel ausgetüftelt oder wie auch immer es dazu kam...
ich wünsch dir was!
paul_a