Dem Kind zutrauen, dass es alleine einschlafen kann
Erfahrungsbericht einer Mutter
Dorothy ist ein unruhiges Kind, das viel Aufmerksamkeit braucht und wenig schlafen will. Ihre Mutter kümmert sich liebevoll um sie und versucht alles, damit es ihr gut geht. Als sie nicht mehr weiter weiß, besucht sie mit ihrer Tochter einen Kurs bei Magda Gerber. Dort versteht sie plötzlich, was Dorothy ihr bereits die ganze Zeit mitteilen wollte.
"Dorothy war viel quengeliger und abhängiger von mir als mein erstes Kind. Es sah aus, als würde sie nie schlafen wollen, egal wie viel ich sie stillte, wiegte, schaukelte oder auf den Rücken klopfte, und sie hasste es einfach, überhaupt hingelegt zu werden. Ich war mit meinem Latein wirklich am Ende, aber ich hatte gelesen, dass manche Babys einfach viel mehr Aufmerksamkeit und Zuwendung und viel weniger Schlaf als andere brauchen, und ich vermutete, dass Dorothy so ein Baby war.
Ich kann kaum glauben, was für eine Veränderung wir beide nach dem ersten Kurs bei Magda durchmachten (im Pacific Oaks College). Zunächst beschloss ich trotz meiner Skepsis Magdas Hinweis zu folgen, Babys eine gewisse Zeit auf dem Boden spielen zu lassen. Ich legte Dorothy auf den Rücken und ein paar Spielsachen in ihre Nähe. Zu meinem Erstaunen weinte sie nicht, es machte ihr wirklich Spass und sie versuchte tatsächlich die ersten Male, sich auf den Bauch zu rollen. Ich entdeckte, dass sie sich selbst beschäftigen konnte.
Dann nahm ich Dorothy zu einem ganztägigen Kurs mit. Magda bat uns alle, sie zu „beobachten“, und ich war stolz darauf, wie gut es Dorothy zu gehen schien, als sie so ruhig spielte, sich umdrehte, sich streckte und nach etwas langte, während wir zuschauten. Ich merkte, wie viel mehr Freude ich an ihr hatte, seit ich lernte, sie allein spielen zu lassen.
Nach etwa einer Stunde, als Dorothy anfing ein bisschen zu quengeln, sprang ich auf und erklärte, sie sei bestimmt hungrig und stillte sie ein paar Minuten. Ich legte sie wieder hin und ein paar Minuten später fing sie wieder an zu quengeln. Innerlich geriet ich in Panik. Ich wusste genau, wenn ich jetzt nicht längere Zeit mit ihr herumgehen und sie schaukeln würde, würde sie hysterisch werden.
Magda fragte mich sanft, was ich glaubte, was das Problem wäre, und wie ich es zu Hause lösen würde. Ich antwortete, ich wüsste nicht, was das Problem wäre, und zu Hause würde ich sie aufnehmen. Magda sagte dann, ihrer Ansicht nach schien Dorothy müde zu sein und schlug vor, ein paar Minuten zu warten, um zu sehen, was passieren würde. Ich wartete, in der Gewissheit, dass ein Hurrikan ausbrechen würde. Stattdessen bewegte Dorothy erst ein paar Mal ihren Kopf hin und her, dann steckte sie ihre Finger in den Mund und schlief ein. Das war das erste Mal, dass ich mein Kind je hatte allein einschlafen sehen. Ich staunte mit offenem Mund.
Magda bemerkte dann, dass Einschlafen eine Kunst ist. Obwohl jeder sie früher oder später lernt, können wir unseren Kindern am besten helfen, diese Kunst zu lernen, indem wir ihnen zutrauen, dass sie es können, und auf Einmischung verzichten, die ihnen vermittelt, dass sie es nicht können. Am nächsten Morgen brachte ich Dorothy, als ihr müdes Quengeln anfing, in ihr Bettchen, erklärte ihr ruhig, dass sie müde sei, Schlaf brauche und ich ihr das nicht abnehmen könne. Sie schlief drei Stunden lang und hat seitdem überhaupt viel geschlafen. Kein Wunder, dass das arme Kind so „neben sich stand“ – es war einfach erschöpft."
Aus dem Buch:
Erschienen in der Zeitschrift "Mit Kindern wachsen", Ausgabe: Heft Januar 2005


