Hallo MKW-Gemeinde,
ich hätte gern mal Rat, was zu tun ist, wenn ein Kleinkind (13 Monate) nicht einschlafen will.
Unser zweiter Sohn tut sich mit dem Einschlafen (sowohl tagsüber als auch abends) äußerst schwer.
Offensichtlich will und kann er nicht (mehr) allein einschlafen. Wenn wir das Zimmer verlassen wollen oder ihn gar in sein Bettchen legen, beginnt er ein ausdauerndes und wütendes Geschrei und hört nicht eher auf, bis wir wiederkommen und ihn trösten und in unseren Armen einschlafen lassen.
Was oft, aber auch nicht immer gut funkioniert, ist, dass sich mein Mann neben ihn legt. Ich bin nicht dazu bereit, weil ich dann Stunden tagtäglich nur an seinem Bettchen verbringen muss- das geht einfach nicht (von Ausnahmen abgesehen!).
Bis vor einigen Wochen schlief er eine Weile lang gut allein und selbständig ein; ich konnte ihn wach hinlegen, wo er dann noch ein Weilchen im Bettchen spielte, um bald zu schlafen. Das ist nun wieder vorbei.
ich weiß nicht mehr weiter, bin aber davon überzeugt, dass es nur gesund und richtig ist, wenn Kinder allein einschlafen können. Natürlich gestalten wir den Abendablauf auch mit Ritualen wie Wiegeliedern und einer angenehmen schwachen Beleuchtung (Kristalllampe), sein Bettchen ist mit einem Himmel versehen, der Tagesablauf wird so gestaltet, dass die Reize aus der Umwelt sich in Grenzen halten und auf Regelmäßigkeiten beim Essen und Schlafen geachtet wird.
Natürlich ist so eine Ferndiagnose immer schwierig, aber es geht auch darum, ob Ihr meint, dass sich sein Einschlafvermögen von allein einstellt oder haben wir ihn verwöhnt und sollten langsam ihn wieder umstellen? Wenn ja, wie?
ich freue mich auf Eure Anregungen.
Gruß
Isabella
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Kommentare
Einschlafen
Hallo Isabella,
in einem Online Forum kann ich leider nicht ausführlich auf Deine Frage zu antworten, da letztlich jede Situation einmalig ist und es in diesem Rahmen nicht möglich ist, auf Dich und Deine Situation individuell einzugehen. Wir geben den Eltern auch gar nicht so gerne viele Antworten, sondern versuchen eher, ihnen zu helfen, sich besser in das Kind und die Situation einzufühlen, so dass sie selbst die für sie passende Antwort finden können. Meist wollen wir eine Lösung - eine Verhaltensänderung des Kindes. Aber das führt unserer Erfahrung nach selten wirklich weiter. Die Kunst der Einfühlung haben wir meist verlernt. Deshalb zielen die meisten unserer Seminare und Fortbildungen wie der "Elternkompass" auch darauf ab, diese Kunst wieder zu erlernen.
Ich möchte Dir als ersten Schritt nur nahe legen, Deine Annahmen zu überdenken. Oft erwarten wir einfach mehr von den Kindern, als ihrer Entwicklung nach zumutbar ist und dann ärgern wir uns, dass es nicht "klappt". Das trifft u.U, für Deine Überzeugung zu, dass Kinder alleine einschlafen sollten. Zu diesem Thema möchte ich das Buch "Kinder verstehen" von Herbert Renz-Polster (Kösel Verlag) wärmstens empfehlen, der viele dieser Fragen aus evolutionsbiologischer Sicht betrachtet. Aus dieser Sicht ist es alles andere als natürlich, dass Kinder alleine einschlafen. Insofern gilt es solche Fragen sehr genau abzuwägen und ggf eine Strategie zu entwickeln, die dem Kind genug Zeit lässt. Und da kann ein wenig Information über unsere Biologie sehr hilfreich sein. Natürlich können wir Kinder auch gegen ihre inneren Bedürfnisse dazu bringen, unsere Erwartungen zu erfüllen. Irgendwann geben sie auf, und oft wird das dann als Erziehungserfolg gewertet (ein krasses Beispiel dafür war die Empfehlung, das Kind einfach ein paar Nächte durchschreien zu lassen) - mit beträchtlichen Folgen. Wir bei Medikamenten ist es also auch ratsam, mögliche Nebenwirkungen solcher Maßnahmen zu überdenken. Insofern hoffe ich, dass Dir das obige Buch erst einmal weiter hilft.
Herzliche Grüße,
Lienhard
einschlafen
Hallo Lienhard,
herzlichen Dank! Ja, mit der Antwort kann ich viel anfangen, sie hilft mir sehr weiter und bestätigt uns in unserer Einstellung! Einfühlen! Ich überlege ernsthaft, das Hamburger (Auftakt-) Seminar im September zu besuchen!
Weil unser Jüngster im ersten Jahr sehr viel geschrieen hat, nicht nur beim Einschlafen, kamen mir an einzelnen "Strategien" Zweifel. U.a. eben bei der abendlichen Situation.
Nicht zu letzt kommen aus dem Kreis der Freunde und Bekannten auch immer wieder Hinweise, "dann lasst ihn doch mal schreien, nach 3 Tagen ist das Thema erledigt!".
Im übrigen: Mein Mann hat konsequent das zu Bettbringen vor Wochen übernommen (er ist in Elternzeit! Und ich musste Kräfte schöpfen) und unser Baby schläft oft ruhig ein. Auch nachts schläft er nun schon oft durch.
Herzlichst,
Isabella
Hallo Isabella,
ich bin Mutter von 2 Kindern, 3 Jahre und 13 Monate alt und beide schlafen alleine ein. Ich stimme Dir zu, dass es gut ist, wenn Kinder unabhängig von den Eltern einschlafen können.
Hast Du schon mal überlegt, ob Dein Kind vielleicht gar nicht müde genug ist, wenn Du es hin legst. Vielleicht braucht er inzwischen weniger Schlaf. Ich finde es sehr hilfreich über ein 24 Stunden Schlafprotokoll (www.kispi.uzh.ch/Kinderspital/Medizin/Medizin/.../Schlafprotokoll.pdf) über einige Tage zu erstellen, um Schlafbedürfnis des Kindes zu ermitteln. Dann kann man zum Beispiel den Mittagsschlaf verkürzen, ...
Außerdem denke ich, dass Schreien von einigen Minuten für Kinder eine Art Erleichterung sein kann, um dann gut schlafen zu können.
Alles Gute
Friederike
einschlafen
Lieben Dank für Deine Nachricht und Gedanken.
Ich achte auch darauf, ob er denn müde ist, wenn es in Richtung Bettchen geht. Und wenn er nachmittags zu lange schläft, dann lege ich ihn auch erst entsprecht spät abends ins Bettchen.
Ja, ich glaube auch, dass das Schreien der Erleichterung dient, aber nur wenn er dabei nicht völlig außer sich gerät und wenn es nicht zu lang andauert.
Seit einigen Tagen gibt es eine neue Tendenz: Ihm ist es gelungen in meiner Anwesenheit einzuschlafen- allein und ohne Brust. Und andernfalls legt sich mein Mann mit ihm hin, was auch wieder sehr gut klappt.
Schöne Grüße
Isabella
Hallo Isabella, aus Deinem
Hallo Isabella,
aus Deinem Schreiben lese ich ziemliche Unsicherheit heraus.
Ein Schwanken zwischen der Wahrnehmung der Bedürfnisse Deines Sohnes und Deiner eingenen.
Ich bin selber Mama eines knapp 15 Monate alten Zwillingspärchens.
So fällt es mir nicht schwer das nachzuvollziehen.
Du schreibst, das ihr den abend mit Ritualen ausklingen lasst. Ich finde das ist auch sehr wichtig.
Wie man ein Kind allerdings so beeinflusst, das es auf Wunsch so einschläft, das man selbst seine Ruhe hat, kann ich nicht beantworten (für mich klingt Deine Frage ein wenig so in die Richtung).
Kinder sind nunmal keine Automaten. Es gibt Phasen in der Entwicklung in denen sie sich mit dem Einschlafen leichter tun. Diese wechseln dann aber auch eben wieder mit jenen ab, in denen sie halt wieder schwerer einschlafen.
Ich denke die Trennung von den Eltern gehört mit zu diesem Thema.
Schließlich müssen die Kids ja zumindest, wenn sie alleine schlafen, für die Zeit von den Eltern loslassen.
Ich verstehe, das es anstrengend ist, solange neben seinem Kind zu sitzen, bis es endlich eingeschlafen ist.
Bei uns ist es so, das ich generell solange dableibe, bis sie eingeschlafen sind. Tue ich das nicht, dann ist auch bei uns das Geschrei gross.
Wir schlafen nachts alle im Familienbett.
Liebe Grüße Martina
Einschlafen
Liebe Martina,
vielen Dank für Deine einfühlsamen Worte! Es hat tatsächlich mit diesen Grenzen zu tun: Wo sind seine Bedürfnisse, wo meine? Wann kann ich nicht mehr?
Vorweg: Seit einigen Tagen ist er wesentlich ausgeglichener, auch tagsüber. Und abends schläft er friedlich neben seinem Papa in unserem Bett ein. und ihm ist es gelungen, allein, also nicht an der Brust, einzuschlafen, was mich sehr gefreut hat. Er ist wohl auf dem Weg.
Manchmal fehlt mir einfach das Vertrauen, dass Kinder es irgendwann von alleine schaffen. Bis dahin ist es wirklich ratsam, mit viel Geduld und Liebe sie beim Einschlafen zu begleiten!
Ich war im Konflikt, ob wir ihn damit, dass er immer mit uns an der Seite einschläft, nicht doch verwöhnen.
Unseren großen Sohn (4) haben wir ebenso begleitet und nach etwa eineinhalb Jahren schlief er endlich gut und allein ein- manchmal eine enorm lange Zeit! Das Familienbett haben wir auch lange praktiziert, bis heute schläft er dann und wann bei uns. Und nun schläft er ruhig die ganze Nacht.
Liebe Grüße
isabella