"Fremdes" Kind beißt, schlägt

Liebe MKW-Mamas!
Ich würde gerne wissen, wie Ihr in folgender Situation reagieren würdet: Die Tochter meiner Freundin hat meine eigene Tochter bereits mehrmals gebissen. Nicht nur ein bisschen, sondern so sehr, dass meine Tochter einen fetten Bluterguß hatte. Meine Tochter hat jetzt natürlich Angst vor dem Mädchen, mochte sie früher sehr gerne. Das blöde daran ist: Die Mutter ist meine beste Freundin und ehrlich gesagt die einzige, mit der ich mich immer wieder mal treffen und ratschen kann. Wir haben die Kindern eine ganze Weile nicht mehr zusammen gelassen, doch jetzt wollten wir wieder einen Versuch starten. Ihre Tochter reagiert extrem eifersüchtig, mein Kind braucht nur ein Spielzeug oder die Mama anzusehen, schon kommt "mein Mama, mein Spielzeug...." und die Anspannung steigt ins Unermessliche. Gestern dann hat das Mädchen meine Kinder zwar in Ruhe gelassen, dafür hat sie mir einen Eimer an den Kopf geknallt... Ich war wirklich wütend - auf das Kind sowie ihre Mama. Ich habe das Mädchen kurz am Arm festgehalten und sie gefragt, was sie dazu gebracht hätte, mir mit Absicht weh zu tun. Sie hatte panische Angst in den Augen, hat ihren Kopf eingezogen, die Arme schützend vor den Kopf gehalten.... Sie tat mir dann leid. Und ich kam mir auf einmal vor wie ein aggressives Monster - ICH! Dabei war ich das Opfer.... Doch sie hat so reagiert, als hätte ich die Hand gegen sie erhoben und davon war ich stimmlich wie auch körperlich weit entfernt. Ich weiß, dass meine Freundin ihr Kind niemals geschlagen hat - sie reagiert meines Erachtens sogar oft zu gelassen auf das aggressive Verhalten ihrer Tochter. Mich würde interessieren, wie andere Mütter auf aggressives Verhalten reagieren, ohne das Kind zu beschuldigen, ihm Angst einzujagen, es zu verurteilen....was sonst? Vielleicht eine blöde Frage, doch mir erscheint die eigene Wut so logisch und "gerecht", dass ich in so einer Situation ehrlich gesagt ziemlich blöd dastehe. Ich möchte nicht wütend und verletzend reagieren! Meinen Kindern ist so eine Aggression völlig fremd.... Wie würdet ihr damit umgehen?

Vermeidung, Problemverhalten, Spielzeugkiste

Liebe Vronimama, liebe Susanne!
Als erstes würde ich sicher mein Kind vor weiteren derartigen Vorfällen schützen! Ich glaube nämlich nicht, dass kleine Kinder mit solchen Erfahrungen gut umgehen können. Das heißt, ich würde dieses Kind vorerst nicht mehr treffen wollen, keinesfalls dort, wo es so heftig reagiert (bei sich zu Hause?). Wenn der Kontakt mit der Mutter aufrecht erhalten werden soll, eignet sich ein Treffen am Abend, wenn die Kinder im Bett sind und die Papas zu Hause. Wenn sich das Verhalten des Kindes nachhaltig ändern soll, dann ist es sicher wichtig, genau hinzusehen, woher es kommt. Ich würde sagen, dass ein Kind, das so reagiert, mit dieser oder aber anderen Situationen in seinem Alltag überfordert ist. Es ist wie ein Hilfeschrei, aber leider einer der schiefgeht, weil es dafür noch bestraft wird. Das Interesse, dem Kind zu helfen, sich wieder besser zu fühlen und entspannen zu können, muss von seinen Bezugspersonen kommen!
Ich finde es für Konflikte unter Kindern sehr hilfreich zu beobachten und zu lernen wie unsere Pikler-SpielRaum-Leiterin damit umgeht: Es gibt für sie kein Gut und kein Böse, keinen schuldigen Täter und kein armes Opfer. Sie respektiert die Interessen und Gefühle beider Kinder und sagt ihnen das auf eine sehr nette Art. Es ist für mich immer wieder schön zu erleben, wie deeskalierend das Verhalten eines Erwachsenen in so einer Situation sein kann. Natürlich ist es schwieriger, wenn die Mamas und nicht eine neutrale Person agieren, wenn es um das eigene Spielzeug bei sich zu Hause geht und und und. Aber dennoch ist vieles möglich. Zum Beispiel darf ein Kind von seiner Mutter nicht dauernd hören, dass es sein Spielzeug hergeben soll, lieb sein soll ("Benimm dich!") etc. Da baut sich Frust auf.
Wenn ich mit meinem Sohn zu einem Kind auf Besuch gehe, nehmen wir eine eigene Spielzeugkiste mit. Ich achte darauf, dass ganz verschiedene Dinge drin sind aber keine momentanen Lieblingsspielsachen. Der positive Effekt ist, dass mein Sohn etwas hat, wenn das besuchte Kind signalisiert, dass es seine Spielsachen für sich haben möchte. Wir Mamas sind dann dabei und erklären den Kindern, dass wir das respektieren möchten. Wenn sich die Lage entspannt, ist es oft so, dass das besuchte Kind neugierig wird, was in der Spielzeugkiste drin ist. Mein Sohn zeigt die Sachen auch gerne her. Falls er etwas nicht hergeben möchte, respektieren wir auch das und erklären es wieder. Mit der Zeit wird es aber lockerer, sodass sich die Kinder gegenseitig mit dem Spielzeug des anderen beschäftigen dürfen bzw. zu einem gemeinsamen Spiel finden können.
Allerdings finde ich es immer schwierig und anstrengend, wenn die anderen Kinder im Alltag von den Eltern nicht oder nicht genügend respektvoll behandelt werden. Ich versuche dann zwar manchmal eine Art Dolmetschfunktion zu übernehmen, aber ich merke, dass das einfach nicht ausreicht. Die Kinder ziehen schon einen so langen Schwanz an Verletzungen und ungelösten Gefühlen mit sich mit, dass man ständig nur an den Symptomen herumwerkt. Die Treffen mit diesen Leuten werden dann in der Regel seltener.
Das sind so meine Gedanken zu diesen Situationen.
Liebe Grüße,
Heidi

Ich kenne das auch!

Hallo liebe Vronimama,
hab gead deinen Beitrag gelesen und bin in einer ähnlichen Situation.Der Sohn meiner besten Freundinn ist, genauso alt wie meine Tochter.(Sie liegen sogar nur ein paar Stunden auseinander).
Die beiden sind praktisch dir ersten 3 Jahre zusammen groß geworden,aber seit ungefähr einem dreiviertel Jahr fing er ebenfalls an ein aggressives Verhalten meiner Tochter gegenüber zu zeigen.Zum Teil biss er oder schlug nach ihrund nahm ihr prinzipiell alle Spielsachen weg.
Allerdings verhielt er sich nur dann so wenn wir bei ihm zuhause waren.Bei uns zuhause war es etwas besser und auf neutralem Boden wie zB. Spielplatz gab es fast gar keine Probleme.Das ganze ging zum Teil soweit das wir auch beschlossen haben uns ne Weile nicht mehr zu treffen.Ich kann deine inneren Gemütszustand ganz gut verstehen,ich hab zum Teil sogar ne richtige Wut auf meine Freundinn entwickelt weil sie meiner Meinung nach zu unkonsequent reagierte.Ich bin zwar auch der Meinung das die kleinen ihre Konflikte zum größten Teil selbst lösen sollten, aber körperliche Gewalt geht da entschieden zu weit.Für seine Eifersucht haben wir auch keine Erklärung ( ich glaube es handelt sich um Eifersucht, denn er verteidigt nicht nur sein Eigentum sonder auch seine Mama).
Eine Ratschlag kann ich dir leider nicht geben...außer das ihr das beißenden Kind mal fragen könntet ob sie ihre Freundin nicht mehr sehen möchte.
Das mit der Abwehrhaltung der Kleinen ist allerdings auch etwas merkwürdig, hast du nach dem Vorfall mit deiner Freundin darüber gesprochen? Ich weis das es etwas heikel ist mit einer Mutter über das Verhalten ihrer Tochter zu sprechen.Wer hört schon gern sein Kind sei aggressiv, auf der anderen Seite seid ihr befreundet...und diese Freundschaft aufzugeben weil sich eure Kinder nicht mehr verstehen, wäre doch auch schade.
Weist du ob sich die Kleine auch anderen Kinder gegenüber so verhält oder ist das nur bei euch so? Der Sohn meiner Freundinn reagiert nämlich nur auf meine Tochter so extrem mit andern Kindern kommt er klar.
Ich glaub das Beste wird sein, ehrlich und freundlich mit deiner Freundin darüber zu reden um erstmal zu hören wie sie die Situation einschätzt.Ich wünsch dir dafür viel Erfolg und Feingefühl.
Alles liebe, Susanne