Mein Sohn, fast 2, haut und beisst und kneift andere Kinder gerade sehr.
Ich weiß, dass es ein Stück weit zur normalen Entwicklung gehört, trotzdem bin ich gerade
eher ratlos, wie ein guter Umgang damit sein kann. Ich glaube, dass die Kinder viel untereinander
aushandeln können und sollen, es scheint mir dafür nur zu extrem zu sein.
Meinem Eindruck nach taucht es schnell auf, wenn ihm andere Kinder zu nahe kommen
und wenn "sie ihm im Wege" sind.
Er bekommt immer "nein" und "stop" zu hören, manche Kinder fangen an zu weinen,
wenn er ihnen näher kommt - und ich frage mich,wie ich und alle anderen Beteiligten
anders als mit diesem "Dauernein" auf ihn zugehen kann.
Freue mich über Erfahrungen anderer Eltern, Ratschläge und Tipps.
Danke, Katja
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Kommentare
erfahrungsbericht
Liebe Katja,
vielen dank für deinen beitrag! auch ich hab einen beinahe 2-jährigen sohn der gerne und oft zwickt, haut und beißt und dies schon über mehrere monate. mittlerweile bin auch ich an einem punkt angekommen, an dem ich nicht mehr weiter weiß... wozu macht er das?... hab ich mich schon so oft gefragt... um aufmerksamkeit zu bekommen? generell hab ich das gefühl, dass er genügend (konstruktive) aufmerksamkeit bekommt... vielleicht ist es für ihn dennoch zu wenig?! ich hab schon verschiedene ansätze versucht, dass er mit dem beißen und hauen aufhört... am anfang versuchte ich ihm ganz klar und entschieden zu erklären, dass das mir (und anderen) weh tut. in überlasteten situationen bin ich oft weggegangen, was für ihn jedoch unverständlich gewesen war... dann hab ich versucht, solche situationen zu ignorieren, nahm jedes haar ziehen, beißen,.... gelassen hin als ob nichts gewesen wäre - doch die situation verbesserte sich nicht. im gegenteil, mit der zeit bemerkte ich (und ich glaube, das ist auch heute noch der fall), dass diese provokationen speziell an mich adressiert sind (auch wenn er andere kinder zwickt oder beißt). nun habe ich versucht, in solchen situationen ihn ganz nah zu mir zu nehmen, ihn zu knuddeln, umarmen, küssen, wenn er beißt oder haut... oder ihn abzuschütteln und das ganze in ein spiel umzuleiten, in dem er dann seine energie auf konstruktive weise ablassen kann... oder ihm alternativen anzubieten - weiche dinge, in die er beißen oder mit denen er auf den boden hauen kann... doch bin ich mir nicht sicher, ob das wirklich fruchtet! im umgang mit anderen kindern find ich es besonders schwierig. kinder die ihm nicht unterlegen sind, ermutige ich dann, sich zu wehren, selbst initiative zu ergreifen,... kinder die dem nicht gewachsen sind, versuche ich jedoch zu schützen,... ich habe jedoch das gefühl, dass dies dann seine agression?? verstärkt. beim schreiben dieses satzes frage ich mich nun auch, ist das wirklich agression? er ist sehr selten wütend, verärgert oder frustriert wenn er diese dinge macht... meistens lacht er sehr spitzbübisch dabei und ich habe oft das gefühl, dass dies ein spiel für ihn ist... ein grenzen ausloten - ein "wie weit kann ich gehen"... doch wann hört das wieder auf? und vor allem, wie kann ich als seine mutter ihn dabei unterstützen??
mittlerweile möchte er nun, dass ich oder sein papa auch ihn zwicken und beißen. bislang hab ich mich jedoch geweigert, dies zu tun.... so quasi als gutes vorbild - ich möchte dir nicht weh tun, bitte tu du mir auch nicht weh... doch da dies sein eigener und oft auch eindringlicher wunsch ist, sollte ich vielleicht darauf eingehen??
ich freue mich sehr über anregungen aller art und hoffe das dir katja, mein beitrag auch zu etwas nütze ist!
danke und liebe grüße,
Laud
Erfahrungsbericht
Liebe Laud,
vielen Dank für Deinen ausführlichen Erfahrungsbericht.
Vieles erkenne ich wieder: dieses Angebot, in etwas anderes zu beissen haben wir ihm auch gemacht.
Ich denke, das hat eine Zeit lang funktioniert, nimmt er aber jetzt nicht mehr an.
Ich habe oft den Eindruck, dass er einfach körperlich ziemlich stark ist und
seine Kräfte nicht einschätzen kann und es ist so, wie wenn er "natürlich im Recht" wäre.
Ist ja irgendwie auch altersgemäß, oder? Auf jeden Fall habe ich nicht den Eindruck, dass es
etwas mit mir und unserer Beziehung zu tun hat - aber vielleicht ist an dieser Stelle auch genau
meine Ratlosigkeit und mein Fragezeichen!!
Ich freue mich immer über ähnlich starke Kinder, die selbst signalisieren können, dass sie das nicht
wollen und finde es ganz fürchterlich, wenn er bei "schwächeren" Kindern immer in der Täter -
und sie in der Opferrolle sind. Sorge macht es mit eben, wenn ich den Eindruck bekomme, dass die
stärkeren Kinder mittlerweile Angst vor ihm haben.
Im Moment habe ich wieder den Eindruck, dass es nachlässt und vor allem dann auftritt,
wenn er müde oder überfordert ist - wie weit kann meine Stimmung da eigentlich zu beitragen? Z.B.
wenn ich mich in einer Situation mit anderen Müttern sehr unwohl fühle, dass er dann unbewußt
darauf reagiert indem er beißt?!
Viele Grüße, Katja
re
liebe katja,
ich möchte deine letzte frage aufgreifen, da ich glaube dass diese sehr sehr wichtig ist!
"wie weit kann meine Stimmung da eigentlich zu beitragen? Z.B.
wenn ich mich in einer Situation mit anderen Müttern sehr unwohl fühle, dass er dann unbewußt
darauf reagiert indem er beißt?!"
ein kleiner exkurs zur erklärung: wir haben mit unserem sohn eine wunderbare spielgruppe auf montessori-pikler-basis besucht. während die kinder spielten haben die eltern die sich sitzend am rand befanden mit offenen, achtsamen und wachen augen meditiert und ihre kinder beobachtet. während dieser übung für die eltern sollten wir uns stets beobachten wie wir uns fühlen, wie wir uns bei verschiedenen tätigkeiten/aktionen des kindes fühlen, wie wir reagieren, was wir denken,... am ende der stunde gab es eine reflexion. und an einer wand hing ein zettel mit den worten: beobachte dich selbst - wie wirkt sich - mein denken, mein gefühl, meine emotion, mein verhalten - auf mein kind aus! (die genaue reihenfolge weiß ich leider nicht mehr, sinngemäß sollts jedoch stimmen :-))
diese aussage hat mich jedesmal aufs neue in den bann gezogen! und ich konnte beobachten und lernen - wenn ich nervös wurde, aus angst er haut ein anderes kind - hat er ein anderes kind gehauen... wenn ich angst hatte, er schubst ein anderes kind - hat er ein anderes kind geschubst,... mein reiner gedanke daran, ließ ihn diese dinge in die tat umsetzen. unsere gedanken manifestieren sich in unserem körper, in unserer ganzen körperhaltung und diese wiederum weisen das kind genau darauf hin...
das schöne daran ist: dies funktioniert auch umgekehrt! :-) die übung bestand darin, wenn das kind etwas machte das es nicht sollte, deine (die der eltern oder mutter oder bezugsperson) gesamte energie und deine gedanken auf einen gegenstand zu lenken, von dem du glaubst, dass es deinem kind spaß machen könnte, damit zu spielen... bspw. eine rutsche die in der nähe stand oder ähnliches...
das heißt, nicht das negative noch mehr aufbauschen und die aufmerksamkeit darauf lenken, sondern durch reine gedankenkraft die aufmerksamkeit des kindes auf konstruktive dinge lenken.
ach... es tut gut darüber zu schreiben, so bring ich mir das ganze auch selbst wieder in erinnerung! :-)
natürlich funktioniert das nicht auf anhieb und nicht ständig und überall - sonst hätt ich dieses hau und beißproblem ja auch nicht mehr... aber wie alles im leben ist auch dies ein prozess und zumindest in manchen situationen und lebenslagen hat uns das sehr geholfen! und die selbstreflexion ist ein unglaublich wichtiger aspekt im umgang mit kindern! (für alle!!)
und ganz allgemein zu deiner frage: ich glaub ganz fest daran, dass dein kind sich auch unwohl fühlt, wenn du dich unwohl fühlst (das ist wirklich meine grundlegende überzeugung)!! und beißen oder dergleichen ist vielleicht einfach seine art & weise, diese dinge "beim namen zu nennen"...
da wir uns in einer ähnlichen situation befinden, kann ich sehr gut nachempfinden wie du dich fühlst... und ich weiß, dass es gerade "draußen, im richtigen leben" schwer ist, mit diesen beiß- und haugelüsten umzugehen und für alle eine friedfertige lösung zu finden. doch das wichtigste scheint mir, dass wir zu unseren kindern stehen - genau so wie sie sind, weil sie so sind! und ihnen dies vermitteln - ich liebe mein kind, weil er er ist! auch wenn er kratzt und beißt und zwickt... und auch wenn dies andere leute stört und sie mich komisch anschauen als ob ich eine elendige rabenmutter bin, weil ich mein kind nicht auf die größe einer schnecke schreie, weil das böse kind hat ja einem anderen kind weh getan...
ich würd mich auf eine antwort von dir sehr freuen... dieser austausch tut mir sehr gut... ich hoffe dir auch! :-)
liebe grüße,
laud
Kind als Spiegel
Liebe Laud,
mir ist letztens auch aufgefallen, vor allem als ich mit vielen Müttern zusammen war, die echt Schwierigkeiten mit
sich und ihren Kindern haben undes normal ist das Kind zu hauen/klapsen, bestrafen, usw. dass das Grundgefühl im Zusammensein mit Kindern oft Angst ist: Angst, dass das Kind anders will als ich, Angst vor dem, was die anderen denken könnten, Angst, dass mein Kind irgendetwas macht, was ich richtig doof finde (hauen und beissen, Sachen horten, z.B.), Angst vor dem Willen des Kindes und dass das Kind dementsprechend als schlecht, böse, unerzogen usw. angesehen wird und dafür bestraft werden muß. Immer wieder mal erwische ich mich auch dabei, wenn ich z.B. unbedingt was will und das ganz schnell, dass da manchmal auch eine Angst dahinter steckt, es könnte jetzt nicht klappen und dann geht gar nichts mehr.
Wenn ich mich zurücknehme und ihm Zeit lasse und vertraue, dann geht vieles viel einfacher und ganz selbstverständlich.
Ansonsten - ja, ich kann Dir glaube ich sehr zustimmen - ich habe es die letzten Tage etwas innerlich bewegt - dass meine Stimmungen, mein Wohlsein und mein mich Fühlen eine grosse Rolle auf sein Sein hat. Die Antroposophen sagen ja z.B. auch, dass Mutter und Kind die ersten 3 Jahre ganz eng miteinander verbunden sind. Ich werde es mal ausprobieren, was Du geschildert hast, worauf ich mich Aufmerksamkeit lenke, wie meine Gefühle sind und wie ich ihn dann beobachte! Spannende Sache!
Dann ist mir dabei noch eingefallen, wie sehr mein Kind mich an meine eigenen Themen bringt und wie sehr es mich herausfordert, diese Themen anzugehen, da er sonst mit drunter zu leiden hat, z.B. mein Unwohlsein, warum ist das so? Wie kann ich da anders mit umgehen lernen, es sei denn ich vermeide zukünftig manche Begegnungen, was aber auch ihn sehr einschränken wird...
Spannender Austausch, finde ich, der mir gerade hilft, zu reflektieren.
Vielen Dank und liebe Grüße,
Katja