Es ist immer schwieriger, etwas Problematisches einer nahestehenden Person mitzuteilen als auf professioneller Ebene. So geht es mir zumindest.
Ich beobachte, dass die kleine Tochter ( 2,5, Nachzüglerin) einer guten Freundin wenig klare Regeln und Grenzen kennt. Das Kind bestimmt das Familienleben (es gibt auch einen Papa und ein grosses Kind). Es schafft es kaum, einige Zeit am Tisch zu sitzen und zu essen. Wenn es dazu nicht einen bestimmten Löffel, eine bestimmte Tasse hat, schreit es.
Das Mädchen wird nicht angehalten, aufzuräumen, wenn es gespielt hat. Ich ärgere mich sogar manchmal nach einem Besuch bei mir, denn dann sieht es wie ein Schlachtfeld aus.
Um das Kind wird ein regelrechter Eiertanz veranstaltet.
Ich bin hin- und hergerissen. Soll ich mich einmischen? Ich stelle mir manchmal vor, was ich tun würde, hätte ich das Kind in meiner Tagesgruppe. Ich würde es, gemeinsam mit den anderen Kindern, an gewisse Regeln heranführen, und zwar konsequent. Ich bin der Überzeugung, dass das wichtig ist. Wenn das Mädchen erst mal schreien würde, wäre das eben so, es würde bald aufhören, wenn alles selbstverständlcih geworden ist. Aber es ist nicht bei mir...
Soll ich etwas sagen, wenn ja, wie? Mütter sind ja bei Kritik sehr, sagen wir mal, senisbel, und in diesem Fall der Papa (ein "später" Vater) noch mehr. Der würde möglicherweise drei Wochen nicht mehr mit mir reden. ;)
Ich bitte um Kommentare. Danke.
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Kommentare
Hallo! Ich danke euch allen
Hallo!
Ich danke euch allen fürs fleissige Antworten.
Sicher habt ihr Recht, dass es Sache der anderen Famile ist.
Nun ist es aber eine Eigenart von mir- und das hat nur am Rande mit meinem Job zu tun- mich einzumischen und das vor allem innerlich. Ich mache mir mehr Gedanken um andere Menschen als es gut ist und das kann ich nicht auf Kommando abstellen. Selbst wenn ich Kinder, Eltern, Menschen auf der Strasse sehe, denke ich mir, wie wohl ihre Geschichte sein könnte.
Das Gute daran ist, dass ich mich für einen sehr emphatischen Menschen halte, was mir beruflich immer geholfen hat (früher habe ich mit behinderten Menschen gearbeitet).
Andererseits muss ich immer wieder auf emien Grenzen aufpassen. Gut, dass einige von euch mich darauf hingewiesen haben.
Hallo Ninera! Meine spontane
Hallo Ninera!
Meine spontane Frage dazu: Wen stört es, dass das Kind sich so verhält? Hast Du den Eindruck, die Eltern sind damit unglücklich? Oder das Mädchen selbst? Was genau gefällt Dir an ihrem Verhalten nicht? Eine Sache hast Du ja genannt: Dass es bei ihrem Besuch bei Dir chaotisch aussieht. Was betrifft bzw. stört Dich sonst noch?
Für mich klingt es so, als hätten die Eltern einfach andere Grundsätze im Umgang mit ihren Kindern als Du. Über das Aufräumen z.B. gibt es ja verschieden Ansichten, unter anderem auch die, dass es nicht viel bringt, so kleine Kinder schon zum Aufräumen anzuhalten, sondern eher selbst aufzuräumen bzw. dies zusammen mit dem Kind zu tun.
Ich glaube, worum ich konkret bitten würde, wäre, dass die Eltern das Chaos ihrer Tochter in Deiner Wohnung nach einem Besuch bei Dir beseitigen, ich kann gut verstehen, dass Dich das nervt, und dagegen können ja auch sensible Eltern kaum was einwenden (oder?).
Ansonsten, wie schon geschrieben, wär´s m.E. gut, mal zu schauen, was genau Dich stört bzw. was ihr Verhalten mit Dir zu tun hat.
Ich hoffe, ich habe Dein Anliegen richtig verstanden und konnte Dir ein wenig weiterhelfen.
Viele Grüße!
Marion
Hallo Marion! Ich glaube,
Hallo Marion!
Ich glaube, die Situation in der Familie ist auch meiner Sicht, dass sich die Eltern in manchen grundlegenden Fragen nicht einig sind und das Kind das spürt und ihm manchmal die Orientierung fehlt. Natürlich "stecke ich nicht drin" und ich fälle auch kein Urteil, was gut und richtig für die Familie ist. Mir ist aber aufgefallen, dass sich sehr vieles nach der Kleinen richtet.
Wir haben vor kurzem einen gemeinsamen Urlaub verbracht und da fand ich es sehr schade, dass es meiner Freundin kaum einmal möglich war, etwas für sich oder gemeinsam mit den anderen zu tun- das Kind stand immer im Mittelpunkt. Ich hätte es einfach mal in die Kraxe gesetzt und wäre losgezogen- dann hätte ich als Mutter gute Laune, wovon das Kind ja auch etwas hat.
Oder der Vater: Er ist unzufrieden über zu wenig Freizeit. Schon mehrmals habe ich ihm angeboten, auch einmal das Kind zu betreeun- mal zwei, drei Stunden am Abend wären ja ausreichend, aber er mag das nicht in Anspruch nehmen. Er gibt seine Kleine nicht her.
Die Sache mit der Unodnung spreche ich bei der nächsten Gelegenheit noch einmal an.
Dass es geht, sehe ich als Tagesmutter- die Kinder räumen mit mir gemeinsam auf und die Größeren auch mal alleine (ZB. die Dreiräder und das Sandspielzeug, das machen sie allein).
Was das alles mit mir zu tun hat?
Ich kann es nicht genau sagen, ich fühle nur oft Bedauern und eine Stimme in mir, die sagt: Ich würde hier etwas anders machen!
Es sind ja keine Fremden, sondern enge Freunde.
"und eine Stimme in mir, die
"und eine Stimme in mir, die sagt: Ich würde hier etwas anders machen!"
Natürlich würdest du etwas anders machen, du bist ja ein anderer Mensch. Du stehst an einem anderen Punkt in deinem Leben, hast andere Erfahrungen gemacht, weißt z.B. vielleicht genau, wo deine Grenzen sind und es fällt dir leicht, sie zu behaupten. Und deine Freunde stehen eben an einem anderen Punkt. Vielleicht gehört das einfach zu ihrer Entwicklung als Familie dazu.
In den meisten Familien gibt es Konflikte, die immer wieder aufbrechen, immer wieder bearbeitet werden müssen oder z.B. auch erst durch die Geburt eines Kindes mit einer bestimmten Persönlichkeit zu Tage treten.
Aber solche Konflikte bearbeitet man in der Regel nicht dadurch, daß einem jemand erklärt, wie man es richtig macht :)
Ich würde es als sehr übergriffig empfinden, wenn mir eine Freundin ungefragt erklären würde, was ich falsch mache bei der Erziehung meiner Kinder. Und womöglich wäre es sowieso der völlig falsche Zeitpunkt für solche Erklärungen, weil ich sie z.B. nicht verstehen kann oder sie nicht verstehen möchte. Deswegen sind wir doch hier in diesem Forum gelandet - weil das Leben mit Kindern Wachsen und Entwicklung für die Erwachsenen bedeutet. Wir sind doch nicht plötzlich mit der Geburt unseres ersten Kindes perfekte Menschen.
Und daß sich Kinder bei einer Tagesmutter oder in der KiTa regelkonform verhalten und zu Hause nicht, ist etwas völlig normales. Die Familie ist doch der Ort, an dem man geschützt rebellieren kann. Dort droht im Idealfall keine Gefahr bei Regelverstößen.
Klarheit - aber wie?
Hallo Ninera,
wenn ich Deinen Beitrag lese, stellen sich mir gleich eine ganze Menge Fragen! Ist es für Dich ein Erziehungserfolg, wenn ein Kind mit 2,5 Jahren brav am Tisch sitzt? Wie kommst Du darauf, dass dem Kind Regeln und Grenzen fehlen? Regeln beginnt ein Kind in diesem Alter erst gerade richtig zu verstehen - warum sollte es sie also befolgen? Aus Angst vor Strafe (Konsequenzen) oder aus Angst vor Liebesverlust? Warum glaubst Du, dass Du es besser weisst als die Eltern? Wenn Dich mit dieser Sichtweise einmischt, wird das vermutlich nicht gut ausgehen, denn Du stellst Dich über die Eltern, wenn Du es glaubst besser zu wissen. Was bewegt Dich denn, sie zu kritisieren? Entschuldige bitte, wenn ich so direkt bin - ich hoffe damit mehr Klarheit zu bekommen, was Du eigentlich willst.
Von dem, was Du schreibst, braucht das Kind tatsächlich Klarheit oder Orientierung - aber soweit ich "Mit Kindern wachsen" kenne, geht es hier vor allem darum, die wirklichen Entwicklungsbedürfnisse von Kindern zu respektieren. Als mein Sohn 2 war, ist er auch nicht lange sitzen geblieben, sobald er satt war, ging er wieder spielen. Warum nicht? Ist sein Bedürfnis zu spielen weniger wichtig, als meines in Ruhe zu essen?
Der Ruf nach Regeln und Grenzen scheint mir allzu oft der Ruf nach Gehorsam in anderer Verpackung zu sein - für mich riecht das sehr nach Dressur. Wenn die wirklichen Bedürfnisse eines Kindes respektiert werden, und es sich geliebt und verbunden fühlt, ist es auch eher bereit zu kooperieren.
Ich vermute mal, dass die Eltern letztlich auch nicht glücklich sind, wenn die Situtation tatsächlich so ist, wie Du sie beschreibst. Für ein offenes, nicht urteilenden Ohr, das ihnen hilft, sich selbst klarer zu werden, sind sie vielleicht dankbar. Und wenn die Eltern klarer sind, braucht das Kind vielleicht gar keine Regeln und Grenzen. Es orientiert sich natürlich an den Eltern, und wenn dort keine Orientierung zu finden ist, hat das eben Folgen.
Anders sehe ich das, wenn die Familie bei Dir zu Besuch ist - da kannst Du ja dann die Regeln vorher kundtun, die bei Dir gelten und sie sind frei trotzdem zu kommen oder eben nicht. Wenn Du aber Deine Bedürfnisse nicht mitteilst und Dich hinterher ärgerst, dass sie sich nicht so verhalten, wie Du das gerne hättest haben sie auch keine Orientierung. Wenn ich das richtig verstanden habe, geht der Ansatz von MKW davon aus, dass wir andere nicht für unsere Emotionen verantwortlich machen können. Die offene oder versteckte Botschaft "wenn Du nur anders wärest, könnten wir wunderbar auskommen" ist Gift für jede Beziehung - ob mit Kindern oder Erwachsenen. Und sie führt dazu, dass ich die anderen ändern will, damit es mir besser geht - und niemand hat Lust sich von anderen ändern zu lassen. . .
Das war jetzt mehr als ich eigentlich schreiben wollte - ich bin mir auch nicht sicher, ob Du den Ansatz von Mit Kindern wachsen überhaupt wirklich kennst? Die Zeitschrift, die Bücher, z.B. von Naomi Aldort, Jon und Myla Kabat-Zinn oder Lienhard Valentin? Wenn nicht, wäre es vielleicht sinnvoll, sich das eine oder andere mal näher anzuschauen, ob das überhaupt eine Richtung ist, in die Du gehen willst.
Mir geht es so, dass ich mich in meiner Umgebung als Außerirdische fühle - umgeben von Leuten, die mir mit ihren guten Ratschlägen auf den Pelz rücken. Und Mit Kindern wachsen scheint geradezu ein Sammelbecken solcher Außerirdischer zu sein. Wie kann ich ein Kind aufwachsen lassen, ihm Orientierung geben, ohne Angst, Schuld und Scham zu nähren? Wie kann ich eine innere Klarheit und Autorität entwickeln, ohne autoritär zu sein und das Kind zu bestimmen. Wie kann ich die Souveränität des Kindes respektieren ohne gleichzeitig meine eigenen Bedürfnisse ständig zu übergehen? Als dies sind Fragen, die mich alltäglich beschäftigen - und bei MKW finde ich in dieser Hinsicht reichlich Nahrung.
Viele Grüße,
Zenmom
Hallo Zenmom! Erst einmal
Hallo Zenmom!
Erst einmal danke für deine ausführliche Antwort.
Ich antworte heute kurz.
Ich denke, in einigen Dingen denken wir eigentlich gleich, in anderen hast du mich missverstanden und vielleicht liegen wir auch hier und da unterschiedlich.
Oberstes Gebot meiner Erziehung oder meiner Lebensansicht überhaupt ist: Freiheit ist auch die Freiheit des anderen. Das heisst, ich kann mich entfalten so weit, wie ich meinen Nächsten nicht störe, ihm schade etc. Das ist auch ein Grundsatz von Maria Montessori.
Ich mag Kinder, die starke eigene Persönlichkeite sind, sie können zu selbstbewussten Erwachsenen werden. Erwachsene in dieser Gesellschaft müssen aber auch in der Lage sein, Kompromisse zu machen, auf andere einzugehen. Wann lernt man Das? Als Kind, wie alles andere auch. Und in einer Gemeinschaft, Familie oder Kindergarten, helfen Regeln, das Zusammenleben zu ornen. Das können schon die Kleinen verstehn, das glaube ich. Das hat nichts mit Macht, Reglementieren zu tun.
Auch Strafe kommt in meiner Welt nicht vor. Konsequenzen, ja, das kannst du nicht gleichsetzen. Ein Kind, dass stark stört, bitte ich schon mal, für eine Weile aus dem Zimmer zu gehn, bis es ihm besser geht. Und das ist für alle gut so.
Entwicklungsbedürfnisse zu respektieren und trotzdem Orientierung zu bieten schliesst sich für mich nicht aus.
Bitte unterstelle mir nicht pauschal Dinge wie "Gehorsam" und "Dressur". Ich glaube, anhand meiner bisherigen Sätze hast du gesehen, dass mir daran nicht liegt. Als Tagesmutter bekomme ich Feedbacks von Eltern und Kollegen, dass ich einfühlsam und aufmerksam sei. Darüber freue ich mich natürlich. Aber das Aufmerksamsein hört im privaten Umfeld nicht auf und so sehe ich, wenn es einem Kind nicht allzu gut geht. Hätte ich sonst diese Frage gestellt?
Zu deiner letzten Frage, einiges an Literatur kenne ich, ich besuche auf gern Fortbildungen. Allerdings arbeite ich nicht sklavisch nach Büchern- auch nicht nur nach Frau Montessori, die ich verehre- sondern aus dem Bauch heraus und mit dem Herzen. Ich habe mein Konzept, dass sich mit den Kindern und mit mir ändert.
iUnd um zu meiner Frage zurückzukommen. Offensichtlich habe meine Freunde ein anderes "Konzept" und ich muss sie lassen. Da ich sie aber fast täglich erlebe, bin ich eben auch eine enge Bezugsperson für das Kind und "beeinflusse" es.
So, die Pause ist vorbei. ;)
Viele Grüße