Ihr Lieben, da draußen!

Ich knabbere seit einiger Zeit an der Bewältigung einer Situation, die mir teuflisch schwer fällt: Meine Tochter (2,10) kann sich seit ein paar Monaten sehr leicht "in Rage" weinen. Sprich: Eine Kleinigkeit reicht aus (sie bekommt einen Verschluss nicht auf, stößt sich den Kopf ein bißchen, stolpert...), um sie zum Weinen zu bringen. Sie weint sehr lange, fängt auch wieder von vorne an, wenn sie sich einmal etwas beruhit hatte. Ich würde ihr so gerne empathisch zur Seite stehen - und merke stattdessen, dass ich fast wütend auf sie werde.... Ich möchte ihre Verzweiflung gerne verstehen, doch mein Kopf denkt immer "was für eine Lappalie!". Ich musste mir letzhin sogar schon ein "Heulsuse" verkneifen und das finde ich furchtbar!!!

Wenn sie weint, schreit sie dabei sehr laut "Mamiiiiii" und es hört sich eher an, als würde es um ihr Leben gehen als um eine Kleinigkeit... Sie wirkt auf mich wie total verzweifelt, untröstbar erschüttert. Ich fühle mich furchtbar dabei, kann ihre und meine Gefühle kaum voneinander trennen. Je mehr ich mir wünsche, dass es ihr wieder gut geht, desto schlechter scheint sie sich zu fühlen. Ich verstehe ja, warum!!! Ich finde nur keine Möglchkeit, mich von meinen eigenen Gefühle so weit zu dissoziieren, dass ich in ihre Kinderwelt tauchen und ihr Leid mitfühlen kann. Ich weiß, dass meine Wut auf sie natürlich Ursprung in meiner eigenen Kindheit hat. Gefühle wurden bei uns zu Hause nur akzeptiert, solange sie nicht vorhanden waren... Wut war völlig tabu, Angst wurde abgetan. Ich vermute auch, dass hinter meiner Wut auf ihre "Heulerei" (sorry, kleine Maus!) letztlich Angst steht, wovor konnte ich noch nicht herausfinden.

Habt Ihr ähnliche Erfahrungen gemacht? Hat jemand eine Idee, wie ich in solch einer Situation meinen eigenen Gefühlen auf die Spur kommen kann? Dieses Forum ist echt Gold wert - jedesmal beim Schreiben wird es mir schon ein bißchen klarer... Ich wünsche mir, dass ich meine Tochter in ihrem Weinen empathisch begleiten kann - ganz egal, über was sie weint, wie lange und wie laut....

Liebe Grüße an Euch!

Kommentare

Kann das so gut nachfühlen!

Liebe Vronimama,

ich kann Deinen Gefühle und Gedanken gut nachspüren. Man fühlt sich fürchterlich!
Ein Zustand, der automatisch abläuft, Gedanken, die man nicht haben möchte, die aber da sind. Hinterher bereut man diese.
Meine Kindheit war auch kein Zuckerschlecken und mir fällt es sehr schwer das zu akzeptieren, wie es war. Es ist immernoch zu viel Unverarbeitetes da. Natürlich spielt das auch in die Erziehung mit ein.
Meine Kinder sind nun bald 1 Jahr jung.
Unter der Woche wenn mein Mann arbeiten ist, bin ich alleinerziehend. Und manchesmal auch ganz schön verzweifelt, da kommen dann von 2 Seiten Wünsche und Probleme an die Mama ran. Jeden Tag ein bisschen mehr.
Ich liebe meine Kinder echt über alles, habe lange Jahre gekämpft, dafür, das sie da sind. Und trotzdem stellen sich auch bei mir solche Gedanken und Gefühle ein. Oft schäme ich mich dafür. Aber je bewußter ich die Situationen wahrnehme und meine Gefühle und Gedanken nur innerlich ablaufen lasse und mich dann versuche auf das Kind zu konzentrieren, desto besser hilft es mir besser (anders) zu handeln.
Aber es ist ein langer Weg!

Liebe Grüße

ach ihr Lieben, ich glaube

ach ihr Lieben,
ich glaube dieses Thema kennen wohl alle Muetter, aber leider sind nur so wenige wie wir die etwas veraendern wollen. also zuerst vielen Dank dass ihr fragt... und etwas bewegen wollt.
der Buechertipp von Naomi kann ich auch nur empfehlen, vielleicht auch noch "Warum Babys weinen" von Aletha Solter.
ansonsten habe ich die Beste Erfahrung damit gemacht wenn ich mir bei jemanden Unerstuetzung geholt habe... Ich persoenlich habe jmanden gefunden der nach Aletha Solters Buch arbeitet(es gibt auf ihrer Internet seite eine Liste von Instructors). Wir haben sehr viel an unseren Verletzungen gearbeitet, und dann konnte ich es mit der Zeit immer besser dass mein Olivier geweint und getobt hat. Und grundsaetzlich ein kind dass genug toben und wueten und weinen kann, ist so ausgeglichen und ruhig und vor allem kooperativ.
Also ist fuer mich de wichtigste Teil, die Unterstuetzung. Ohne die drehen wir selber durch...
Ich hoffe m:ein Beitrag kqnn dir ein bischen helfen, und nochmals vielen dank an alle Eltern die hinschauen wollen.
Ganz liebe Gruesse. Celine

Eigene Gefühle

Hallo!

Das, was Du schilderst, ist mir sehr vertraut. Ebenso die Umgehensweise mit Emotionen in Deiner alten Familie und ebenfalls die Tatsache eigentlich doch zu wissen, woran mein Verhalten liegt, es aber in der aktuellen Situation schwer ändern zu können, - was meine Wut oft sogar noch verstärkt. Ein Gefühl von Ohnmacht, eine Hilflosigkeit im Umgang mit negativen Gefühlen.
Natürlich sind Kinder mit ca. 2 - 3 Jahren sowieso in einer speziellen Phase... Ich kann mich gut erinnern, wie ich damals aus Wolke 7 (immer alles niedlich) geplumpst bin und ziemlich ratlos meinem brüllendem Kind gegenüber saß (wieso denn jetzt die Hose nicht aus-, die eben nicht angezogen werden sollte, usw., usw,).

Aber vielleicht unterstützt Dich ein weiterer Buchtipp : Naomi Aldort; Von der Erziehung zur Einfühlung.

Leider bin ich selbst erst vor Kurzem darauf gestoßen. Nun ist mein Kind schon acht...
Dieses Werk hat mich tief berührt. Zunächst führte es mir all die "Fehler" die ich schon so lange gemacht habe, noch einmal klar und deutlich vor Augen, - was erstmal sehr schmerzlich für mich war. Gleichzeitig vermittelte es aber auch sofort praktisch umsetzbare "Strategien" und es gab mir beim Lesen bereits eine tiefere Einfühlung in meine eigenen Gefühle. Ich verstehe nun auch vom Herzen (und nicht nur im Kopf) mehr, warum bestimmte Gefühle und Verhaltensweisen meines Kindes mich wütend oder verzweifelt machen. Ich traue mich seitdem es in seinem Zustand sein zu lassen, es so doll zu lieben wie ich es tatsächlich tue, ohne Angst davor, dies sei falsch (war ja bei mir früher irgendwie anders... Woher soll man's also wissen? Es ist erschreckend, wieviel Erlebtes unbewusst in das eigene Verhalten übernommen wird).
Durch die Auseinandersetzung mit dem Buch, nehme ich die Emotionen meines Kindes und auch meine dazu erst wirklich ernst (revolutionär, nach meiner Kindheitsgeschichte: "Ach was, das hat doch gar nicht weh getan", "Heulsuse", "Stell Dich nicht so an", "Wenn Du so böse bist, habe ich Dich gar nicht mehr lieb", usw. Du kennst solche Aussagen scheinbar auch. Sie spiegeln keinerlei Achtung wieder. Ziemlich sicher war's damals aber ebenfalls ein Ausdruck von Hilflosigkeit und eigener Geschichte unserer Eltern.)
Und die wesentlichste Erkenntnis der Lektüre: Ich muss nicht mehr ausbügeln, bewerten, das schlechte Gefühl des Kindes irgendwie schnell weg bekommen. Sondern ich bin dabei zu lernen, dass mein Kind nichts als Beistand braucht. Sein Gefühl ist berechtigt und wird sich wieder legen, ohne dass ich es "fortzaubere" und nachhaltiger als wenn ich negiere. Es wird schon damit fertig werden! Ich bin bei ihm. Diese Erfahrung entspannt mich kolossal.
Niemand zwingt mich, mich so zu verhalten wie es mir vorgelebt wurde und wird, außer ich mich selbst. Also Schluss damit!
Im Buch findest Du differenzierte Anleitung, z.B. die Formel S.A.L.V.E.: S = sich von eigenen Filmen absondern, A = Aufmerksamkeit geben, L = Lauschen, V = Verständnis äußern, E =Ermutigen), sowie eine Fülle von Fallbeispielen aus erschiedenen Lebensbereichen.

Natürlich klappt das bei mir leider noch längst nicht immer, aber zumindest ist die Saat gesetzt! Es entseht ein tieferes Mitgefühl für die negativen Emotionen meines Kindes, meine Eigenen und sogar die meiner Eltern und deren Eltern u.s.w., und damit eine größere Gelassenheit. Ich fühle mich entlastet und auf dem richtigen Weg. Das wünsche ich Dir auch!

Liebe Grüße und alles Gute für Dich und Deine Tochter
Asta

Hallo, ich kenne dieses

Hallo, ich kenne dieses Problem auch.

Was mir letztens sehr geholfen hat, war das Buch "Gemeinsam Leben, gemeinsam wachsen" von Daniel Siegel & Mary Hartzell.
U.a. geht es darum, warum wir in bestimmten Situationen mit unseren Kindern auf diese bestimmten Arten reagieren.
Wirklich sehr empfehlenswert (wenngleich mich persönlich die Ausführungen zur Hirnforschung jetzt nicht so sehr interessiert haben). Ansonsten fand ich es aber sehr hilfreich.

Alles Gute für dich!