Hallo,

seit drei Wochen sind wir zu viert, unsere Tochter (2 3/4 Jahre alt) hat noch ein kleines Schwesterchen bekommen - und ist weit "eifersüchtiger" als erwartet (Eifersucht ist wohl nicht der richtige Ausdruck, eher orientierungslos?). Sie will nicht mehr in die Kita, sondern den ganzen Tag bei uns (vor allem bei der Mama) sein, weint oft, wenn sich die Mama mit dem Baby beschäftigen will (und muss) und zieht bisweilen sogar die Brust der Mutter vom Baby weg, wenn die es stillen will. Das ist alles noch nicht dramatisch, macht uns aber doch manchmal etwas ratlos und auch traurig.
Wir geben der Älteren eher noch mehr Aufmerksamkeit als früher, versuchen sie einzubeziehen (sie wickelt das Baby mit etc.), wir versuchen, mit ihr zu sprechen über die Neufindung der Familie usw.
Gleichzeitig ist sie auch stolz darauf, eine Schwester bekommen zu haben, die Ältere zu sein, und manchmal ist sie auch sehr liebevoll zum Baby - auch das kann dann aber kippen und das Streicheln wird fester und fester ...
Wahrscheinlich ist dass alles ganz "normal" und es braucht eben seine Zeit - wir alle brauchen unsere Zeit, um uns neu aufzustellen.
Dennoch die Frage: Wie seid Ihr mit dieser Situation umgegangen, was sind Eure Erfahrungen. Rat und Tipps sind natürlich auch willkommen.
Vielen Dank schon mal. Schön, dass es dieses Forum jetzt gibt.
Herzliche Grüße

Bernd

P.S.: Wir sind aus Berlin und würden uns über Kontakte zu anderen Berliner Eltern, die sich mit dem Verein (und seinen Inhalten) "Mit Kindern wachsen", mit Jesper Juul, Pikler, Montessori etc. befassen.

Kommentare

Neufindung

Hallo Bernd!
Hat sich die Situation zwischen Deinen Mädchen inzwischen etwas entspannt? Wir sind seit kurzem (unsere Kinder 2 Jahre und 2 Monate) in ähnlicher Situation wie Du vor einigen Monaten. Wir mussten uns auch erstmal neufinden. Da wir auch aus Berlin sind und Kontakte zu anderen Berliner Eltern (die sich für J. Juul, E. Pikler, M. Montessori interessieren ) suchen, habt Ihr vielleicht Lust sich auszutauschen?
Viele Grüße,
Anna und Oliver

Vielen Dank für die Antworten und Ratschläge

Hallo,

vielen Dank erst einmal für die Antworten. Mittlerweile ist ja einige Zeit vergangen, unser Baby ist jetzt knapp drei Monate alt, die Größere hat morgen Geburtstag und wird drei Jahre alt. Wir haben uns im November Rat bei einer Jesper-Juul-family-lab-Beraterin hier in Berlin geholt, die dazu zu uns nach Hause kam. Alle waren dabei, auch die beiden Kinder, auch wenn wir, meine Lebensgefährtin und ich, anfangs Bedenken hatten, wir könnten ja dann nicht so frei sprechen mit Rücksicht auf die Ältere (was sich aber als falsch erwiesen hat). Das war ein ganz hilfreicher Nachmittag. Die Beraterin sagte z.B., dass so ein Neufindungsprozess in der Regel nicht in ein paar Wochen abgeschlossen ist, sondern auch mal ein Jahr oder länger dauern kann. Außerdem meinte sie, dass wir durchaus auf dem richtigen Weg seien und unsere Tochter ein sehr waches, aufmerksames Mädchen sei. Die Geschichte mit dem neuen Partner im Bett bekamen wir auch zu hören - ist ja auch ganz hilfreich, um sich die Situation vorzustellen.
Schwierig bleibt es mitunter bis heute, vor allem, wenn die Ältere müde ist und/ oder die Kleine an Mamas Brust trinkt (die Ältere wurde lange gestillt und beide, Mutter und Kind, genossen das sehr). Sie tut ihrer kleine Schwester dann machmal immer noch weh oder will auf Mamas Schoss und zerrt so lange herum, bis die Kleine zu trinken aufhört und schreit und die Mutter genervt ist. Das sind aber Ausnahmen, ansonsten wickelt sie das Baby oft mit, bezieht ihre kleine Schwester mit ein und küsst sie auch manchmal. Wir versuchen, beide Kinder mit Liebe und Empathie zu begleiten und sind ganz guten Mutes, es hinzukriegen (auch wenn wir es uns einfacher vorgestellt haben).
Alles Gute auch an alle anderen, die mit ähnlichen Problemen umzugehen haben

Bernd

Das wird!

Hallo Bernd,
nun sind ja schon zwei weitere Monate vergangen und vielleicht läuft es bei euch etwas entspannter?
Unsere Kinder sind zwei Jahre auseinander. Unsere Tochter hatte sich sehr auf sein Geschwisterchen gefreut. Gleich nach der Hausgeburt wollten wir sie in alles einbeziehen. Buch vorlesen beim Stillen, mithelfen beim Wickeln usw... Leider wollte sie dabei nicht "mitspielen", hatte ihren eigenen Kopf (wenn ich gestillt habe, verließ sie z.b. das Haus) und fing irgendwann an, den kleinen Bruder zu beißen. Nach einem Jahr des Auf und Abs gingen wir zu einer Eltern-Beraterin, die von Jesper Juul ausgebildet wurde. Ich werde nie unser erstes Telefonat vergessen:" Sollen wir unsere Tochter mitbringen?" "Wieso denn das?! An der liegt es doch nicht!" Erste Maßnahme: wir hielten uns aus den Attacken auf den Kleinen raus. Puh! Nach einer Woche waren unsere Kinder ein Herz und eine Seele, unser Sohn hieß nun zärtlich "Kätzchen"- es war unglaublich! Wir sind weiter in die Beratungsstelle gegangen, haben gelernt klarer zu werden, keine Schuldgefühle (dem einen oder anderen Kind gegenüber) zu haben und uns unsere Ansprüche (harmonisches FAmilienleben) bewusst zu machen - und loszulassen.
Es ist leichter gesagt als getan, aber Gelassenheit macht den Blick frei für die Bedürfnisse der Kinder. Vertrauen, dass es schon wird. Vertrauen auch in eure Kompetenz. Ihr seid doch ganz offensichtlich liebevolle, einfühlsame Eltern ;-)
So, das ist meine Geschichte und ich hoffe, sie hat ein bißchen Mut gemacht.
Euch ein ganz, ganz schönes Neues Jahr zu viert!

Hallo Bernd, 3 Wochen sind

Hallo Bernd,

3 Wochen sind natürlich sehr früh, wir haben ca. 6 Wochen gebraucht um eine innere Familienordnung zu finden.
Unser Sohn ist geboren als unsere Grosse fast 2 Jahre alt war. Sie sind jetzt 1 und fast 3 Jahre alt. Es war ein hartes Jahr für mich aber im Rückblick kann ich sagen dass es sich gelohnt hat. Wir haben keine Eifersuchtsprobleme gehabt.
Die Grosse war die ganze Zeit bei mir. Ich habe immer alles mit beiden Kindern zusammen gemacht, sei es Krabbelgruppe, Musik, Kinderturnen, immer wirklich immer sind sie zusammen dabei. Erst jetzt fangen wir an Dinge zu machen die nur die Grosse mit Papa oder Mama tut um sie ein bisschen zu belohnen.

Sowohl die Grosse wie der Kleine werden gewickelt, beide schlafen bei uns im Bett, beide dürfen gefüttert werden.... natürlich macht unsere Grosse auch viele "altersgerechte Dinge" aber sie darf immer wieder sich klein wie ihr Bruder sein.

Vielleicht lasst ihr das grosse Kind erstmal ein bisschen zuhause damit sie sich nicht so abgeschoben fühlt?

Gruss
Müsli

Lieber Bernd, wir haben 5

Lieber Bernd, wir haben 5 kinder mit ähnlichen Abständen und kennen Eifersucht nicht,daher finde ich es nicht wirklich normal... die älteren haben sich immer über ihr neues baby gefreut und waren ganz stolz, wenn sie sich mit ums baby gekümmert haben, es halten durften usw. allerdings haben wir keinen in die kita gebracht..davon abgesehen, das ich meine Kinder ins Leben begleiten möchte und diese wichtigste aufgabe keinem fremden überlassen würde, wundert es mich nicht das die kinder so reagieren...euer neues baby darf den ganzen tag bei euch sein und sie muß in die kita?? Das würde ich auch schlimm finden und wütend aufs baby machen...liebe grüße nanny

Wenn ein zweites Kind kommt

Hallo Bernd,

nachdem sich auf Deine Frage nicht gerade eine Flut von Kommentaren eingestellt hat, möchte ich doch zumindest eine kleine Perspektive geben.

Stell Dir folgende Situation vor: Deine Partnerin kommt eines schönen Tages nachhause und erzählt Dir strahlend, dass demnächst ein anderer Mann bei Euch einziehen wird. Du wirst dazu nicht gefragt, ihre Freude ist offensichtlich und vielleicht fügt sie noch hinzu, dass sie dann nicht mehr so viel Zeit für Dich haben werde, was Du aber sicher verstehen würdest, da sie Dich ja immer noch genauso lieb habe.
Wie würde Dir das gefallen? Und wie würde es Dir gehen, wenn sie dann bei jedem Pieps des Neuankömmlings aufspringt und sich liebevoll um ihn kümmert, während Du nur noch die 2. Geige spielst?
Für ein Kind ist es noch viel drastischer, denn es ist auf Euch und Eure Zuwendung angewiesen. Es kann nicht woanders hin gehen oder das andere Kind dahin zurück schicken, wo es herkommt - auch, wenn es das vielleicht liebend gern tun würde.

Dieses Bild macht vielleicht deutlich, dass diese Situation das erste Kind in eine existentielle Not bringen kann - das hat wenig mit Eifersucht zu tun, sondern geht sehr viel tiefer. Natürlich sind Kinder unterschiedlich - für manche ist das kaum ein Problem oder sie freuen sich sogar, manche akzeptieren es und es wird erst dann schwierig, wenn der Neuankömmling zu krabbeln beginnt und bei manchen ist es eben schon im Vorfeld eine potentielle Bedrohung.
Insofern ist es mit allgemein gültigen Ratschlägen so eine Sache - letztlich könnt nur Ihr als Eltern heraus finden, wie Ihr dem älteren Kind helfen könnt, die neue Lebenssituation anzunehmen, was eventuell einige Zeit dauern kann.
Als Leitschnur für diesen Weg, möchte ich hier zumindest ein paar Ideen nennen, die hilfreich sein könnten:

Zunächst einmal ist es wichtig, dass Ihr dem älteren Kind seine Gefühle nicht versucht auszureden - im Gegenteil, es braucht nun um so mehr Verständnis und Einfühlung. Alle Gefühle sind einfach was sie sind - Gefühle, nicht mehr und nicht weniger und selbst wenn es sehr heftige Reaktionen sind, braucht es das Kind "sich gefühlt zu fühlen". So kann es diese Gefühle zu- und dann auch hinter sich lassen, statt sie auszuagieren. Darüber hinaus braucht es das Gefühl, dass es weiterhin eine Freude für seine Eltern ist und kein Problemfall. Dies kann dadurch ermöglicht werden, dass Ihr bewusst etwas mit dem älteren Kind unternehmt (mit ihr oder ihm alleine), was Euch beiden Freude bereitet. Dies stärkt Eure Beziehung und das Kind macht die Erfahrung, dass sein Bedürfnis nach positiver Zuwendung und Einfühlung immer noch erfüllt wird.

Das heisst natürlich nicht, dass Ihr nicht deutlich "Nein" sagen könnt, wenn das Kind seinen Unmut an dem Baby, der Katze oder was auch immer auslässt. Diese weitere Perspektive hilft aber vielleicht, dass dieses Nein nicht allzu genervt oder ärgerlich auf das ohnehin schon leidende Kind nieder geht, sondern getragen ist von Empathie und Mitgefühl. Die "Grenze" also solche wird das Problem nicht lösen - das löst sich erst, wenn das Kind sich wieder wohl fühlt in seiner Haut, sich verbunden, gesehen und gefühlt fühlt.

In einem Seminar könnten wir Eure Situation vielleicht noch individueller beleuchten, so dass Du ein noch besseres Gefühl für Eurer Kind und seine Bedürfnisse bekommen könntest, aber ich hoffe, dass Euch auch diese Hinweise schon ein wenig weiter helfen.
Wenn wir eine Situation mit den Augen des Kindes betrachten, zeigen sich häufig Facetten, die wir aus unserer erwachsenen Perspektive übersehen, vielleicht auch, weil wir einfach nicht wollen, das die Situation so ist wie sie nun mal ist. Wenn das Kind in seinen Gefühlen nicht allein gelassen wird und wir nicht von ihm erwarten, dass es anders fühlen sollte als es fühlt, wird es diese "Zumutung" früher oder später annehmen können. Dieser Weg ist sicherlich nicht leicht, aber er lohnt sich auf jeden Fall.

herzliche Grüße,

Lienhard

Hallo, Bernd! Ich habe

Hallo, Bernd!

Ich habe leider keine Tips, nur die gleichen Sorgen. Wir bekommen erst im Januar unser 2. Kind. Aber schon jetzt ist unsere Große ziemlich am Durchhängen (wird im März 3). Sie ist z.B. extrem eifersüchtig auf unseren Kater, der ärmste wird nur noch rumgeschubst und hat keine ruhige Minute. Zum Kuscheln darf er in ihrer Gegenwart überhaupt nicht zu mir kommen.

Jetzt frage ich mich natürlich, wie das wohl funktionieren soll, wenn das Baby dann da ist und auch, wie ich jetzt schon angemessen reagieren kann *seufz*

Ich hänge mich also einfach mal an deine Frage ran und warte gespannt auf Erfahrungsberichte :)

Geduld und Zuversicht

Ihr Lieben,
vielleicht erinnert ihr euch noch an die Geburt eures ersten Kindes und wie die verschiedenen Phasen im ersten Jahr euere Partnerschaft etwas durcheinander gewirbelt haben. Warum sollte es beim zweiten anders sein? Jeder von euch muß einen veränderten, neuen Platz in der Familie finden...
Wichtig ist, glaube ich, das Gefühl der Zusammengehörigkeit und die Aussicht: Jetzt ist es schwierig, aber wir schaffen das. Mir hat mit meinen beiden Töchtern oft auch geholfen, eine Orientierung zu haben, wo ich hinwill. Dann mußte ich weniger den Bedürftigkeiten nachlaufen, sondern konnte mehr eine Orientierungshilfe für meine Kinder sein.
Alles Gute und viele spannende Erfahrungen für euch.
Uwe