Hallo und guten Morgen!
Ich bin begeisterte Leserin der mit Kindern wachsen Zeitschrift und habe auch das Buch von Naomi Aldort gelesen. Mir sagt sehr zu, was sie schreibt.
Aber: immer wieder stoße ich an meine eigenen Grenzen, wenn es um die Geschwisterbeziehung meiner beiden Kinder (3,5 und 1,5 J.) geht.
Immer wieder "raste" ich quasi aus und behandle dann meinen älteren Sohn alles andere als respektvoll.
Ich kann sehr schlecht damit umgehen, wenn er den Kleinen quasi "ohne Grund" schlägt, kneift, schubst, ihn wegzerrt, ihm Spielsachen wegnimmt. Oft kneift er mit beiden Händen ganz fest in das Gesicht des Kleineren.
Oder auch in anderen Situationen:
Gerade eben wollte der Ältere "Erster an der Tür" sein, der Kleine war aber schon dort, der wurde dann weggezerrt, weggeschubst, getreten.
Ich mag mich schon selber mit meinem "laß das" nicht mehr hören. Den Dingen ihren Lauf lassen hab ich auch schon probiert, das kann es aber auch nicht sein, denn dann halte ich mich emotional raus, werde aber keinem der beiden gerecht.
Ich bin traurig darüber, daß ich glaube ich die Verbindung zu meinem älteren Sohn verloren habe. Ich fühle mich nicht mehr mit ihm verbunden. Ich mag ihn nicht dauernd maßregeln, ich fühle mich selbst nicht gut dabei. Ich glaube auch, er traut mir nicht mehr. Wenn ich ihn frage, magst du, daß der Kleine weg ist (oder was in der Art) , oder: magst du ihm wehmachen (um mich in ihn einzufühlen) sagt er nein, will ich gar nicht (ich glaube er sagt nein, weil er sich fürchtet daß ich dann schimpfe).
Hat jemand eine Idee, wie ich in diesen Situationen besser reagieren könnte oder hat jemand eine Idee, wohin ich mich wenden kann?
Schöne Weihnachten allen Lesern!
Aenna
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Kommentare
Geschwisterbeziehung
Ich hatte (und habe noch in geringerem Umfang als früher) das gleiche Problem recht massiv mit meinen beiden Söhnen (Altersabstand 2,5 Jahre). Klare - wenn auch zunächst nicht immer angenehme - Antworten findet man, wenn man sich kundig macht, was tibetisch-buddhistische Meister über das Naturgesetz von Ursache und Wirkung (Karma) sagen oder schreiben (z.B. Patrul Rinpoche: Die Worte meines vollendeten Lehrers). Wichtig ist es z.B. ZWIETRACHT SÄENDE REDE aufzugeben (weil das dazu führt, dass die Menschen in der eigenen Umgebung nicht miteinander auskommen und sich einem gegenüber streitsüchtig und aufsässig verhalten). Um Heilsames zu tun, sollte man aktiv für die Versöhnung der beiden Streithähne eintreten. Ich habe auch gute Erfahrungen damit gemacht, zwischen meinen beiden Söhnen zeitweise räumliche Trennungen vorzunehmen. Besser eine räumliche Trennung als trennende Rede.
Wichtig ist es zu wissen, dass sich gute wie schlechte Gewohnheiten (Karma) nur ganz allmählich ändern lassen und nicht von heute auf morgen. Man muss Geduld haben und behutsam vorgehen, weil es eine Arbeit mit den subtileren Bewusstseinsebenen ist. Falls du mal buddhistische Methoden ausprobieren willst, könntest du das 4. Kapitel vom Sutra des Goldenen Lichts rezitieren. Ihm wird eine besondere läuternde Kraft nachgesagt. Eine deutsche Version des Sutras kannst du dir von www.fpmt.org herunterladen. Weil es um subtile Dinge geht, rate ich dir einen guten spirituellen Freund (einen authentischen Meister) um Rat zu ersuchen (z.B. Thich Nhat Hanh oder Dagyab Rinpoche vom Tibethaus in Frankfurt). Oder wie wäre es, wenn du mit deinen Kindern ins Familienretreat nach Plum Village zu Thich Nhat Hanh fährst? Thich Nhat Hanh hat sehr viel Erfahrung und gute Methoden im Versöhnen zerstrittener Menschen.
Bei all meinem vorangegangen Blabla über Gewohnheiten ist es wichtig sich davor zu hüten, nicht zu sehr zur karmischen Sicht der Dinge zu neigen, weil das sonst zu Dogmatismus führt. Der Dialog mit einem authentischen Meister bewahrt einen vor allerlei Gefahren.
schwierige Geschwisterbeziehung
Hallo Aenna,
Dein Beitrag hier in diesem Forum hat ja schon einige Menschen zu Antworten bewegt - ich hoffe es war etwas dabei, was Dir weiter hilft. Wenn nicht, melde Dich doch bitte beim Vereinsbüro von MKW (info@mit-kindern-wachsen.de) und gib Deine Email-Adresse und Telefonnummer an, dann kann ich Dich gerne mal anrufen und wir können schauen, ob wir einen Schritt weiter kommen.
Vielleicht hast Du meine Antwort an Bernd auf eine ähnliche Frage schon gelesen. Dort habe ich versucht, die innere Gefühlslage eines Kindes zu beschreiben, wenn es ein kleineres Geschwister bekommt. Wenn Dir Naomi Aldort gut gefällt, kannst Du Dich so wie sie das häufig vorschlägt ja zunächst mal fragen, was dazu geführt hat, dass Du die Vergindung zu Deinem Sohn verloren zu haben glaubst. Ist es vielleicht der Gedanke, dass er anders fühlen (sein) sollte als er das tut? Wie würdest Du ihn und Eure Situtation sehen, wenn Du ihm zugestehst wütend und verzweifelt zu sein? Das heisst nicht, dass Du Dich einfach raushalten solltest - aber vielleicht kannst Du ihn anders sehen, wenn Du seine innere Realiät erst einmal anerkennst.
Gibt es denn auch Situationen, wo Ihr gemeinsam Freude habt? Zum Beispiel eine Unternehmung nur von Euch beiden, die Euch beiden Freude macht? Vielleicht ist Deine Frage, ob er möchte, dass der Kleine weg ist einfach zu direkt. Du kannst ihm ja auch mal vorschlagen, ob er Lust hat, mal etwas nur mit Dir zu unternehmen - oder mit Deinem Partner.
Dies sind einfach ein paar erste Ideen, ohne Eure Situtation wirklich zu kennen - aber wie gesagt, wenn Du magst, können wir gerne einen Telefontermin ausmachen und weiter schauen.
Alles Gute und herzliche Grüße,
Lienhard
Hallo Aenna, dein Bericht
Hallo Aenna,
dein Bericht hat mich sehr berührt, denn ich kenne diese Situationen sehr gut.
Zwei Jahre lang hatte ich eine sehr intensive Beziehung zu meiner Tochter. Dann bekam ich einen Sohn und verhedderte mich in meinen ganzen Gefühlen von Leistungsanspruch (gerecht sein, immer alle glücklich machen, harmonisches Miteinander etc.), Überfordert sein (nachts wenig Schlaf, tagsüber Haushalt und Kinder) und Schuld (natürlich, irgendwer musste ja schuld sein!). Ich reagierte immer öfter aggressiv auf meine Tochter, vor allem wenn sie ihre Gefühle von Wut ausließ. Mal an mir, mal am kleinen Bruder.
Irgendwann habe ich gemerkt, dass ich alleine nicht da raus finde und bin auf die Bücher von Jesper Juul gestoßen (witzigerweise heißt mein Sohn auch Jesper...). Im Internet fand ich eine Beratungsstelle die nach J.J. arbeitet und dort habe ich im letzten Jahr in Seminaren und Einzelstunden unglaubliches lernen dürfen! Mittlerweile nehme ich dort an einer Mütter-Coaching-Gruppe teil und weiß nun, dass ich nicht alleine bin.
Zu deinem konkreten Anliegen: Schnell geholfen hat letztlich, sich zwar aus den Streits und Attacken der Kinder komplett rauszuhalten, aber mit der Sicherheit: "Ich tröste jeden!" Ich frage aber nicht: "Was ist passiert? Wer hat was gemacht?" Ich verurteile keinen, sondern tröste und bin mitfühlend. Da habe ich dann auch schon mal auf jedem Knie ein Kind.... Aber seit das so läuft gibt es neben heftigen Streits auch ganz wunderbare innige Momente zwischen den Kindern - in denen ich auch nix verloren habe.
In der Beratungsstelle wurde uns das so erklärt: Wenn du einen Partner hast und dessen Mutter mischt sich ständig in eure Konflikte ein, dann leidet irgendwann auch die Beziehung zu deinem Partner. Immer ist jemand dabei, der es besser weiß, auch wenn er gar nicht alles mitbekommen hat. Vielleicht auch Partei ergreift. Ihr
entfremdet euch voneinander. Das fand ich ganz einleuchtend.
So, nun habe ich wohl erstmal genug geschrieben und wünsche Dir, dass Du Deinen Weg findest. Ob allein oder mit Hilfe. Das ist keine Schande, und manchmal helfen Bücher und andere Menschen eben doch. So wie dieses Forum.
Dir alles, alles Gute und viel Glück!
Liebe Aenna, MÜSSEN wir
Liebe Aenna,
MÜSSEN wir IMMER achtsam und einfühlsam sein? Empfindest du das als Forderung, oder ist es eine Möglichkeit? Eine Möglichkeit, zu wachsen, sich zu entwickeln? Ein Keim, der "Mit Kindern wachsen" legt und zu dem wir immer wieder zurückkehren können, an den wir uns erinnern können? Es zu SEIN oder zu WERDEN ist ein Prozess, und du hast noch viele Jahre Zeit vor dir... ;-) Hab Geduld mit dir! Wir haben das nicht gelernt...
Und... müssen wir Geschwisterkinder GLEICH lieben - oder lieben wir jedes Kind in seiner Art, in seinem besonderen Wesen?
Deine beiden Kinder sind ganz unterschiedlich. Und deine Verbindung zu deinem älteren Sohn ist im Moment vielleicht nicht "gut", intensiv ist sie, soviel lese ich aus deiner email, sicher. Was brauchst du, um gelassener reagieren zu können? Unterstützung? Zeit? Die Möglichkeit, auf beide, auch einmal getrennt von einander, eingehen zu können? Wer oder was kann dir dabei helfen? Wen kannst du um Unterstützung bitten?
Es ist nicht leicht als Mutter, alleine in dieser Situation. Manchmal scheint es uns zu zerreißen. Wir wollen doch allen gut tun. Das geht aber nur, wenn wir selbst in der Mitte sind. Und manchmal sind wir das nicht, und rasten aus. Und das ist so. Es ist vielleicht nicht "gut" oder "richtig", aber es ist einfach so. Vielleicht geht es das nächste Mal besser. Vielleicht brauchen wir es, manchmal, zerrissen zu sein, um DANN wieder achtsam, einfühlsam und verbunden zu sein. Vielleicht ist dein großer Sohn schon ein ganz Schlauer, der genau wissen will, was du fühlst. Nicht deine Achtsamkeit, nicht deine Einfühlung, sondern dein Echt-sein. Er fragt: wie bist du wirklich? Was fühlst du, wenn ich schubse und kneife? Verfolgst du ein pädagogisches Konzept? Oder verfolgst du dich selbst und zeigst ihm, wie du bist?
Wie geht es deinem jüngeren Sohn, wenn sein Bruder schubst und kneift? Weiß er schon, dass es in dieser Situation deine ganze Aufmerksamkeit auf seiner Seite hat? Geht es ihm vielleicht ganz gut damit?
Und... können wir als Mütter immer gerecht sein? Sind wir der "liebe Gott"? Nein, wir sind es nicht. Und Kinder wachsen daran, dass wir manchmal nicht so sind, wie wir sein möchten. Gibt es eine grauenhaftere Vorstellung als die, mit perfekten Eltern aufzuwachsen? Was bliebe dann?
Viele Grüße und fröhliche Weihnachten
Schwierige Geschwisterbeziehung
RaRaKrobeu
Hallo
Sie sind alleinerziehend. Ja!
Um dem Problem näher zu kommen,müssen wir zuerst bei uns selber beginnen.
Wenn wir der Gewalt mit Gewalt begegnen.
Was geschieht dann?
Ist es nicht so, dass die Gewalt sich fortsetzt?
Wir sind so erzogen worden und unsere Gesellschaft basiert auf diesem Irrglauben.
Warum also rasten wir aus?
Meist sind die Gründe hierfür ganzwoanders zu finden,als im Auslöser selbst.
Eigenes Verletztsein, Enttäuschung, Verlassensein, Ohnmacht, Angst....
Suchen Sie die Antwort nicht bei Spezialisten oder in Büchern.
Die Antwort liegt in Ihnen.
Beginnen Sie sich zu hinterfragen, was Sie so den ganzen Tag tun, wie Sie mit den jungen Menschen umgehen.
Schauen Sie sich die Gewalt an, wenn diese in Ihnen hochkommt oder in den jungen Menschen sich äußert. Denken Sie nicht darüber nach.
Lassen Sie sie einfach kommen und ohne einen Gedanken zufassen, wird die Gewalt verschwinden.
Das ist nicht einfach, aber finden Sie selbst heraus, ob es möglich ist ohne Gewalt und Angst zu leben.
Wenn Sie in einen Konflikt zweier Menschen gewaltsam eingreifen, werden Sie zum Täter und es gibt kein Verstehen für diejenigen die dabei zum Opfer werden.
Jeder Täter ist auch gleichzeitig sein eigenes Opfer.
Wir sind so sehr davon überzeugt, dass das ältere Geschwist unsere Handlungen verstehen und lernen soll,
aber wenn Sie einmal herausgefunden haben (nicht das ich es Ihnen sage) sie müssen es selbst herausfinden, dass diese Gesellschaft und das sind Sie und ich und alle andern, zutieft unmoralisch sind, werden Sie vielleicht verstehen, dass junge Menschen nach unseren Handlungsweisen nur verwirrt sind,
so wie wir selbst.
Junge Menschen kommen aus einer Ganzheit in dieses Leben und werden früher oder später durch unsere
Art der Erziehung verbogen.
Vielleicht können Sie etwas damit anfangen, doch Sie brauchen Kraft hierfür.
Schauen Sie, wo Sie diese Kraft alles verschwenden.
Herzlich
RaRa
Neue Wege gehen ohne Gewalt
Habe selber eine schwierige und manchmal sehr gefährliche Schwesterbeziehung gehabt. Und meistens ging nicht ohne Blutvergießen aus. Meine Mutter schaute weg und ging allen Konflikten aus dem Weg. Mein Vater schlug mit aller Härte zu und nahm meine Schwester immer in Schutz. Meine Aufgabe bestand darin, einen Mittelweg zu finden. Das Resultat daraus ist, das ich nicht mehr bindungsfähgig und ruhelos bin. Jetzt habe ich selber einen Sohn von 4 Jahren und bin alleinerziehend. Jeden Tag stelle ich mir die Frage: Wo ist mein Mutterleid(t)bild und wie kann ich gewaltfrei erziehen? Ich mußte mir Hilfe holen, weil ich neue Wege mit meinem Sohn gehen möchte. Durch eine Bekannte kam ich zu "mit-kindern-wachsen" und habe für mich festgestellt, das ich diesen Weg gehen möchte. Egal wie schwierig Geschwisterbeziehung sind. Man sollte immer bei sich bleiben und das Kind so begleiten in seiner Fülle und was es gerade braucht. Und jedes Kind ist anders und auf seine Art Einzigartig. Ich schöpfe Kraft in der Natur und finde dort meine Antworten. Durch den Tod meiner Mutter wurde mir erst richtig bewußt, das nur noch Wut, Trauer und Hilfslosigkeit übrig bleibt von einer "Familie". Mein Wunsch ist, das mein Sohn zurückschauen kann und "Heimat im Blick hat" und weiß, das er immer willkommen ist. Wer Kinder als schwierig empfindet, sollte sich selber hinterfragen, was ich gerade selber möchte und mitteilen zu versuchen. Es lohnt sich jeden Tag, sich ein Stückchen näher kennenzulernen und sich selber anzunehmen. Ich wünsche allen viel Kraft, Mut und Abenteuer im Gepäck. Mit einem Kind zu wachsen, bedeutet auch im Augenblick zu leben.
Und viele neue Sterne im neuen Jahr.......