Zwölf Wegweiser im Umgang mit unseren Kindern und uns Selbst

Übungen zur Entwicklung von Achtsamkeit in der Familie

Im Alltag passiert es schnell, dass wir die Verbidnung zu uns selbst und unseren Kindern verlieren. Achtsamkeit hilft uns dies zu bemerken und die Verbindung wieder herzustellen. Zwölf Anregungen wie wir Achtsamkeit in der Familie stetig entwickeln können um bewusster im Umgang mit unseren Kindern zu werden...

Wo wollen wir hin?

Wo wollen wir hin? © cinematic/photocase

1. Wer ist dieses Kind?

Versuchen Sie, sich die Welt aus der Perspektive Ihres Kindes vorzustellen und sich dabei bewusst von Ihrer eigenen Sichtweise zu lösen. Tun Sie das jeden Tag wenigstens ein paar Augenblicke lang, um sich daran zu erinnern, wer dieses Kind ist und womit er oder sie in der Welt konfrontiert wird.

2. Wie wirke ich auf mein Kind?

Stellen Sie sich vor, wie Sie auf Ihr Kind wirken oder wie Sie in seinen Ohren klingen – auf das Kind, das Sie heute, in diesem Augenblick, zur Mutter oder zum Vater hat. Wie könnte sich das darauf auswirken, wie Sie in Ihrem Körper zuhause sind und sich im Raum bewegen, wie auf Ihre Art zu sprechen und auf das, was Sie sagen? Wie möchten Sie zu Ihrem Kind in diesem Augenblick in Beziehung treten?

3. Die Vollkommenheit sehen

Üben Sie sich darin, Ihre Kinder, so wie sie sind, als vollkommen zu sehen. Versuchen Sie, sich in jedem Augenblick ihrer Souveränität bewusst zu bleiben, und arbeiten Sie daran, dass Sie sie so annehmen können, wie sie sind – auch in Situationen, in denen Ihnen dies besonders schwerfällt.

4. Sich Erwartungen bewsusst machen

Bringen Sie sich Ihre Erwartungen Ihren Kindern gegenüber zu Bewusstsein, und überlegen Sie sich, ob diese wirklich zu ihrem besten sind. Versuchen Sie sich auch wahrzunehmen, wie Sie diese Erwartungen vermitteln und welchen Einfluss sie auf Ihre Kinder haben.

5. Eine selbstlose Haltung nähren

Üben Sie sich in einer selbstlosen Haltung, indem Sie die Bedürfnisse Ihrer Kinder, wann immer möglich, über Ihre eigenen stellen. Versuchen Sie dann zu sehen, ob es vielleicht doch gemeinsamen Boden gibt, so dass auch Ihre eigenen wahren Bedürfnisse erfüllt werden können. Sie werden möglicherweise überrascht sein, wie viele Überschneidungen es tatsächlich gibt, insbesondere, wenn Sie geduldig sind und sich um ein Gleichgewicht bemühen.

6. Stehe still...

Halten Sie inne, wenn Sie das Gefühl haben, Sie hätten sich verirrt, so wie es David Wagoner in seinem Gedicht „Lost“ beschreibt:

„Der Wald atmet. …“ Lassen Sie seine Botschaft zu sich sprechen: „Der Wald weiß, wo du bist. Du musst nur zulassen, dass er dich findet … “

Meditieren Sie über das Ganze, indem Sie der Situation, Ihrem Kind, sich selbst und Ihrer Familie Ihre volle Aufmerksamkeit schenken. Auf diese Weise können Sie vielleicht über das Denken hinausgelangen, so positiv und umfassend es auch sein mag, und intuitiv mit Ihrem ganzen Wesen (Ihren Gefühlen, Ihrer Intuition, Ihrem Körper, Ihrem Geist und Ihrer Seele) wahrnehmen, was wirklich zu tun ist. Wenn Ihnen das nicht in jedem Augenblick klar ist, ist es vielleicht am besten, gar nichts zu tun, bis es klarer geworden ist. Manchmal ist es gut, einfach still zu bleiben.

7. Gegenwärtig sein!

Üben Sie sich im stillen Gegenwärtigsein. Diese Fähigkeit kann sich sowohl aus der formellen als auch aus der nicht-formalen Achtsamkeitspraxis entwickeln, wenn Sie darauf achten, wie Sie sich verhalten und was Sie mit Körper, Geist und Ihren Worten ausdrücken. Hören Sie sich selbst sorgfältig zu.

8. In jeden Augenblick hineingehen

Lernen Sie, mit Anspannungen zu leben, ohne dass Sie Ihr Gleichgewicht verlieren. In seinem Buch Zen in der Kunst des Bogenschießens beschreibt Eugen Herrigel, wie er lernte, im Augenblick größter Anspannung mühelos dazustehen, ohne den Pfeil abzuschießen. Im richtigen Augenblick schießt der Pfeil sich auf geheimnisvolle Weise selbst ab. Tun Sie das, indem Sie üben, in jeden noch so schwierigen Augenblick hineinzugehen, ohne irgend etwas verändern zu wollen und ohne ein bestimmtes Ergebnis zu erwarten. Bringen Sie einfach Ihr volles Gewahrsein und Ihre Präsenz in diesen Augenblick hinein.

Üben Sie sich darin, zu sehen, dass alles, was in Erscheinung tritt, zu verarbeiten ist, wenn Sie bereit sind, auf diese Weise in der Gegenwart zu sein und dabei auf ihre Intuition und auf ihre Instinkte zu vertrauen. Für Ihr Kind ist es, insbesondere, wenn es noch sehr jung ist, wichtig, dass Sie ein Zentrum der Ausgewogenheit und Vertrauenswürdigkeit sind, ein verlässlicher Orientierungspunkt, mit dessen Hilfe es Punkte in seiner eigenen Landschaft anpeilen kann. Pfeil und Ziel brauchen einander. Etwas erzwingen zu wollen führt zu nichts. Sie finden einander besser durch weise Aufmerksamkeit und Geduld.

9. Entschuldigungen wirken heilend

Entschuldigen Sie sich bei Ihrem Kind, wenn Sie sein Vertrauen auch nur geringfügig verletzt haben. Entschuldigungen wirken heilend. Wenn Sie sich entschuldigen, bringen Sie dadurch zum Ausdruck, dass Sie über die fragliche Situation nachgedacht haben, dass Sie sie nun klarer sehen und vielleicht auch die Sicht des Kindes besser verstehen. Doch sollten wir uns andererseits auch davor hüten, dass uns zu oft etwas leid tut. Wenn wir uns zu häufig entschuldigen, wenn wir uns das zur Gewohnheit machen, verliert es seinen Sinn. Dann kann es dazu führen, dass wir die Verantwortung für unsere Handlungen nicht in vollem Umfang übernehmen. Behalten Sie das im Auge. Hin und wieder im Gefühl echter Reue zu schmoren, ist eine gute Meditation. Schalten Sie den Herd nicht ab, bevor das Essen fertig ist.

10. Jedes Kind ist individuell

Jedes Kind ist einzigartig, und jedes Kind hat ganz spezielle Bedürfnisse. Jedes sieht die Welt auf seine eigene, einzigartige Art und Weise. Bewahren Sie ein Bild jedes Ihrer Kinder in Ihrem Herzen. Lernen Sie das Wesen eines jeden einzelnen Kindes zu würdigen, und wünschen Sie all Ihren Kindern das Beste.

11. Klar, stark und unmissverständlich sein

Es gibt sehr wichtige Situationen, in denen wir uns darin üben müssen, unseren Kindern gegenüber klar, stark und unmissverständlich zu sein. Bemühen Sie sich darum, in solchen Fällen, so gut Sie können, aus Gewahrsein, Großzügigkeit und Unterscheidungsvermögen heraus zu handeln, statt aus Angst, Selbstgerechtigkeit oder dem Bedürfnis, die Situation zu kontrollieren. Achtsamkeit bedeutet nicht, dass wir als Eltern übermäßig nachsichtig, nachlässig oder schwach sind, und ebensowenig, dass wir rigide und dominant sind und alles kontrollieren.

12. Eine ständige innere Arbeit

Das größte Geschenk, das Sie Ihrem Kind machen können, sind Sie selbst. Deshalb besteht ein Teil Ihrer Aufgabe als Mutter oder Vater darin, an Selbsterkenntnis und Gewahrsein zu wachsen. Wir müssen im gegenwärtigen Augenblick verwurzelt sein, um unsere tiefsten und besten Aspekte mit anderen teilen zu können. Dies ist eine ständige innere Arbeit, aber sie kann dadurch unterstützt werden, dass wir regelmäßig eine Zeitspanne für stille Kontemplation reservieren – wie auch immer uns das am meisten zusagt. Wir haben nie etwas anderes als das Jetzt. Wir haben immer wieder von neuem die Gelegenheit, es zu unserem Besten zu nutzen, um unserer Kinder und um unserer selbst willen.

Aus dem Buch:

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