Auf dem Rücken liegen und sich frei bewegen

Bewegungsentwicklung in den ersten Monaten

Ganz kleine Babys fühlen sich wohler und können sich freier bewegen, wenn man sie auf den Rücken legt statt auf den Bauch. Wir können darauf vertrauen, dass es sich selbst umdreht, sobald es bereit dazu ist. Bis dahin haben wir die Möglichkeit die kleinen Fortschritte unseres Babys zu verfolgen und uns an ihnen zu erfreuen.

Baby rosa Mädchen Bewegungsentwicklung RIE

Viele, viele Jahre lang stand die Empfehlung des RIE (Resources for Infant Educarers), Kleinkinder auf ihren Rücken zu legen, im Gegensatz zu dem, was die meisten Kinderärzte, Krankenschwestern und andere Experten glaubten und empfahlen. Das hat sich geändert.

Neugeborene können normalerweise ihren Kopf noch nicht halten und fühlen sich aus diesem Grund auf dem Bauch nicht wohl. Und weil sie ihren Kopf nicht halten können, können sie nicht umherschauen und ihr Gesichtsfeld ist auf das kleine Stückchen der Decke gerade vor ihnen beschränkt.

Wenn ein sehr kleines Baby auf dem Bauch liegt, versucht es vielleicht ein paar Mal, seinen Kopf zu heben, gibt dann auf und bleibt mehr oder weniger unbeweglich. Oder es hebt seinen Kopf immer wieder und akzeptiert die Anstrengung und Unbequemlichkeit als einen normalen Zustand. Was kann es in dieser Stellung sonst machen?

Schauen wir uns jetzt dasselbe Baby an, wenn es auf dem Rücken liegt. Ohne Mühe kann es seinen Kopf ganz von der einen Seite zur anderen drehen, umherschauen, seine unmittelbare Umgebung kennen lernen und seine Nackenmuskeln stärken. Sein Brustkorb ist frei, deshalb kann es leichter und tiefer atmen. Es kann leicht seine Arme und Beine ausstrecken oder strampeln.

Der Entwicklung des Babys Aufmerksamkeit schenken

Wenn man ein sehr kleines Baby hat, dann scheint das die Zeit zu verändern. Jeder Tag fühlt sich an, als würde er niemals enden. Wenn Sie Ihrem Baby dauernd zuschauen, besonders während der ersten Monate, dann scheint es so zu sein, als veränderte sich nichts und als täte das Baby überhaupt nichts Neues oder Interessantes.

Und doch, mit dem Zeitraffer betrachtet, könnten Sie sehen, wie sich die Bewegungen verändern, erst ruckartig sind und dann geschmeidiger werden, wie die Augen gezielter schauen und natürlich wie das Baby mit dem ersten Lächeln plötzlich wie eine „wirkliche Person“, wie ein „soziales Wesen“ aussieht.

Wenn Sie die Kunst und Fertigkeit entwickeln, Ihrem Baby Aufmerksamkeit zu schenken, werden Sie auch sehen, dass alle Erfahrungen, die das Baby tagein, tagaus macht, Lernerfahrungen sind. Ihr Baby spürt Unterschiede der Gefühle – Hunger oder Sattsein, Schmerz oder Wohlbehagen, Müdigkeit, Schläfrigkeit oder Wachheit. Dinge (zum Beispiel seine Hände) bewegen sich in sein Gesichtsfeld und wieder hinaus, sein Mund findet eine Hand und saugt daran, eine Stimme oder ein Gesicht (Ihres) wird vertrauter und bringt Erleichterung. Das alles ist für ein Baby ein sehr bedeutsamer und nützlicher Lernstoff.

Wie können junge Eltern Vertrauen bekommen?

Babys können mehrere Dinge bei einer einzigen Handlung lernen. Wenn es seinen Daumen findet, kann man das „Auge-Hand-Mund-Koordination“ nennen, und man kann es auch als einen Vorläufer von Spielen ansehen. Wenn Ihr Baby einen Gegenstand anschaut, die Hand danach ausstreckt und ihn schließlich ergreift und bewegt, dann manipuliert es die Welt, ist in Interaktion mit ihr und bewirkt, dass etwas geschieht. Und auch dies ist wieder der Beginn des freien Spiels.

Die meisten Eltern sehr kleiner Babys leben in der ständigen Angst, ob sich ihr Baby wohl gut entwickelt. Ärzte haben selten die Zeit zu beobachten, wie sich ein Kind natürlich und auf eigene Initiative bewegt. Stattdessen halten sie sich gewöhnlich an „Meilensteine“, um eine allgemeine Vorstellung davon zu bekommen, wo ein Baby auf der Kurve durchschnittlicher Entwicklung einzuordnen ist. Ich wünschte, sie würden daran denken und Eltern deutlich machen, dass es keinen bestimmten Punkt gibt, an dem Kinder diese Meilensteine erreichen „sollten“.

Wie können junge Eltern Vertrauen bekommen? Mein Rat ist – schauen Sie Ihrem Baby zu. Gehen Sie auf Ihr Baby ein. Freuen Sie sich darüber, was Ihr Baby gerade tut. Wenn Sie die Bewegungen, seine wachsenden Fähigkeiten, sein Erforschen der Welt beachten und wertschätzen, dann denken Sie einfach an all die Freude, die Sie jeden Tag empfinden können.

Vom Rücken zum Bauch

Eines Tages wird sich Ihr Baby auf die Seite drehen und dann später auf den Bauch. Es kann ziemlich überrascht davon sein, wenn es sich in dieser neuen Position wiederfindet. Es müht sich und vielleicht gelingt es ihm, seinen Arm zu befreien (der gewöhnlich unter seinen Körper gerät), oder es schreit vielleicht, um Sie wissen zu lassen, dass es Ihre Hilfe braucht. In diesem Fall können Sie es hochnehmen und wieder auf den Rücken legen und schauen, wie es sich verhält. Wenn es ein unternehmungslustiges Kind ist, dann windet und bewegt es sich vielleicht, um wieder in die neue Stellung zu gelangen. Wenn es eher vorsichtig ist, dann bewegt es sich vielleicht langsam und schaut sich etwas irritiert um.

Aber wie auch immer es auf die Überraschung reagiert, wenn es sich die ersten Male umdreht, wird es bald in der Lage sein, sich absichtlich auf den Bauch zu drehen, seinen Kopf und seine Brust längere Zeit zu heben und sich innerhalb eines weiten Horizontes umzusehen. Und das wird genau der richtige Moment für es sein, auf dem Bauch zu liegen und davon zu profitieren.

Erfahrungen einer Mutter

„Als ich sah, wie meine Tochter versuchte, sich allein umzudrehen, wollte ich ihr zu Hilfe kommen. Es war, als sähe ich mich selbst mich auf dem Boden winden, unfähig wie ein Käfer, der sich abmüht, wieder auf seine Beine zu kommen. Es fiel mir schwer, ihre Mühe und meine eigene auseinander zu halten. Ich holte tief Luft und vertraute Magdas Prinzipien. Ich blieb unterstützend dabei, während sie es immer wieder versuchte. Meine Tochter zeigte mir, dass ich ihre Mühe mit der unvermeidlichen Veränderung, die stattfinden musste, ertragen konnte. Sie wollte sich aus ihrer eigenen Kraft bewegen. Sie versuchte es immer und immer wieder. Ich ertrug ihr Bedürfnis zu kämpfen, und ich lernte, weniger Angst vor meinen eigenen Kämpfen zu haben.“

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