Einkaufen mit Kindern – gelassen bleiben
Aktualisiert: vor 4 Tagen

Einkaufen mit unseren Kindern kann uns den letzten Nerv rauben. Es kann so stressig sein, dass wir manchmal vergessen, dass unsere Kinder noch in einer ganz anderen Welt leben und den Supermarkt als magische bunte Welt sehen, in der man viel entdecken kann. Wenn es uns zuviel wird sollten wir sns darauf besinnen und versuchen unsere Kinder, Kinder sein zu lassen.
Eine junge Mutter bezahlt vor mir an der Kasse des Bio-Supermarkts. Ihr kleiner drei bis vier jähriger Sohn hantiert mit dem Einkaufswagen. Die Mutter ist fertig. âSo, jetzt stell mal den Wagen zurück zu den anderen.â â Keine Reaktion auf Seiten des Sohnes. Derselbe Befehl etwas lauter.
Widerwillig schubst das Kind den Wagen in Richtung der anderen eingestapelten Wagen. Die Mutter sichtlich genervt und unwirsch: âSoo nicht. Stell den Wagen mal ordentlich hin.â
Keine Bewegung des Sohnes sichtbar. Spannung liegt in der Luft. Lauter Befehlston: âDu sollst den Wagen richtig hinstellen.â Kind bewegt sich nicht. Die Mutter zerrt ihn in Richtung der Wagen, um ihn mit ihrer Macht dazu zu bringen, dass er ausføhrt was sie befohlen hat.
Kind âbocktâ. Riesiges Geschrei. Gesichtsfarbe der Mutter wird dunkler. Unter sehr lautem Gebrøll des Kindes wird dieses gepackt und schleunigst durch den Ausgang auf die StraÃe geschleppt, wo die beiden dann dem Blickfeld entschwinden und die vorbeifahrende StraÃenbahn das Geschrei verschluckt.
Kinder Im Supermarkt und die innere Haltung der Eltern
Zunächst erschreckt mich so viel gespannte Energie in einer so âharmlosenâ Situation. Das würde ja wohl einen Hintergrund haben, und dann dachte ich: Na ja. Die Zeiten der Sklavenhaltung sind eigentlich vorbei, das scheint noch nicht überall durchgedrungen zu sein. Aber die Kinder ahnen das unbewusst, und sie leben, als sei es allseits bekannt, dass auch sie freie Wesen sind, die gegebenenfalls um Kooperation gebeten werden können aber nicht zur Ausføhrung von Befehlen genötigt!
Ich weiÃ, das Einkaufen mit Kindern ist stressig, auch wenn es im Bio-Supermarkt ist. Aber man kann ein- und derselben Situation mit verschiedenen Haltungen begegnen.
Kleine Kinder leben noch in ihrer eigenen Welt (die die Psychologen magisch nennen, weil in ihr alles noch lebt: ein Einkaufswagen könnte auch ein Zug sein, mit dem man durch Russland fährt, der Zipfel der Mehltüte der Kopf des Wolfes, der auch mitfährt, weil er ein Bein gebrochen hat...).
Kindliche Freiheit als Quelle von Kraft und Kreativität
Wenn man sie ihrem Wesen entsprechend sein lässt, sind sie für unsere Alltagspflichten noch nicht so zu âgebrauchenâ, sie können noch nicht so funktionieren, wie wir das in der Alltagswelt meist müssen. Für ihr kindliches Wachstum ist es notwendig, dass sie Freiheiten haben, spielen dørfen, auch mal âUnfugâ machen können, der aus ihrer Sicht vielleicht einfach nur lustig ist. Meist wollen sie uns Erwachsene nicht ärgern â sie wollen einfach so sein wie sie sind.
Und: Keine Angst! Lebenstøchtig werden sie trotzdem oder gerade deswegen, weil der kleine Wilde in ihnen noch lebendig geblieben ist als Quelle von Kraft und Kreativität.
Zu guter Letzt:
Eltern sollten nicht ârechnenâ. Manchmal denken sie: jetzt hab ich so viel Arbeit mit dem Kind, jetzt soll es auch mal was abnehmen oder mitarbeiten oder so ähnlich. Aber was Kinder zuerst brauchen zum guten Wachsen ist eine Liebe, die nicht zählt und rechnet und Gegenleistung fordert, sondern die einfach da ist und nicht irgendwann aufhört.
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Erschienen in der Zeitschrift "Mit Kindern wachsen", Ausgabe: Heft Januar 2007

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